London – Mit 70 Jahren blicken die meisten auf ein paar Jahre Ruhestand zurück – nicht so Prinz Charles. Er hat seinen Beruf als König von Großbritannien noch nicht einmal angetreten. Wenn der Prince of Wales heute seinen 70. Geburtstag feiert, blickt er auf 66 Jahre als Thronfolger zurück. Nie zuvor in der Geschichte der britischen Monarchie trug ein Mitglied der königlichen Familie so lange den Titel des Thronfolgers. Sollte Charles seiner Mutter Elizabeth II. eines Tages nachfolgen, wäre er der älteste Royal, der den Thron besteigt. Doch die Queen ist mit ihren 92 Jahren putzmunter. Abdanken kommt für sie auch nach 65 Jahren nicht infrage, ebenso wenig wie für Charles.
Die Vorbereitung auf den Thron begannen früh: Die Queen und ihr Ehemann Prinz Philip entschieden entgegen der Tradition, ihren ältesten Sohn auf öffentliche Schulen zu schicken, statt einen Privatlehrer im Schloss zu engagieren. Anschließend studierte er als erster der royalen Familie an der Elite-Universität Cambridge Archäologie, Anthropologie und Geschichte. Seinen Abschluss machte er 1970.
Von 1971 bis 1976 diente er in der Royal Navy und der Air Force – während er acht Monate auf Einsatz in der Karibik war, heiratete seine Ex-Freundin Camilla einen anderen. Mit den 7500 Pfund, die Charles bei seinem Ausscheiden aus der Armee erhielt, gründete er seine eigene Stiftung, den Prince’s Trust. Bis zum 40. Jahrestag ihres Bestehens half die Stiftung mehr als 825 000 benachteiligten Jugendlichen, einen Beruf zu finden.
Er selbst hatte keine Hilfe, sich auf seinen Beruf vorzubereiten: „Das Problem ist, dass es keine Job-Beschreibung gibt, also muss man irgendwie selbst seinen Weg finden“, sagte Charles dazu einmal. Viele Briten sehen den Thronfolger als liebenswerten Exzentriker – unter anderem machte er Schlagzeilen mit dem Geständnis, mit seinen Pflanzen zu reden. Er setzt sich für den Schutz historischer Gebäude und für Bio-Landwirtschaft ein, viele verunglimpften ihn deswegen als „Öko-Spinner“. 1988 ließ er seine Ländereien auf biologische Landwirtschaft umstellen. Damit war er seiner Zeit voraus. Dennoch ließ er es gelegentlich an der im britischen Königshaus üblichen politischen Neutralität mangeln. In einer BBC-Dokumentation anlässlich seines 70. Geburtstags wies er Sorgen zurück, er könnte sich als Monarch zu sehr ins Tagesgeschehen einmischen: „So dumm bin ich nicht. Man agiert innerhalb der Vorgaben der Verfassung“, betonte Charles.
Für weltweite Aufmerksamkeit und Euphorie sorgte 1981 seine Hochzeit. Unter dem wachsenden Druck, endlich eine Frau zu finden, verlobte sich der 32 Jahre alte Charles im Februar 1981 mit der 19 Jahre jungen Lady Diana Spencer. Eine weltweit im Fernsehen übertragene Märchen-Hochzeit in der St. Paul’s Cathedral folgte. Doch glücklich wurde das Paar nicht. Auch die Söhne William und Harry konnten die Ehe nicht retten. Gerüchte um außereheliche Verhältnisse häuften sich, bis die Auseinandersetzung in einer medialen Schlammschlacht endete. Die Trennung verkündete der Hof 1992, die Scheidung folgte vier Jahre später.
Nachdem die Ehe in die Brüche ging, fiel Charles in den Medien die Rolle des Buhmanns zu. Der Kronprinz hatte Lady Diana jahrelang mit Camilla Parker-Bowles betrogen und sammelte im Volk Minuspunkte. Der Tod der „Königin der Herzen“ 1997 erzeugte Druck auf die Monarchie. Nachdem Diana bei einem Autounfall getötet wurde, holte Charles ihre Leiche aus Paris zurück nach England und bestand darauf, dass sie mit königlichen Ehren beigesetzt wurde.
Nach Jahren mit Diskussionen, ob ein geschiedener und wieder verheirateter König tragbar ist, kam es 2005 zur standesamtlichen Hochzeit mit Camilla auf Schloss Windsor.
Ein einfacher Gefährte ist der Kronprinz wohl nicht: Charles äußert sich gern öffentlich, ob die betroffenen Menschen es hören wollen oder nicht. Aber der Thronfolger erfüllt alle Pflichten seines Amts. Er nimmt der Queen viele Termine ab, hat bereits 100 Länder bereist, zuletzt war er mit Camilla in Westafrika. Der Prince of Wales lernte außerdem die durchaus komplizierte walisische Sprache.
Fraglich ist, ob Charles nach jahrzehntelangem Warten überhaupt noch Lust hat, im hohen Alter König zu werden. Zudem lebt Charles lieber im hohen Norden als im lauten London: Am liebsten streift der Prinz in Gummistiefeln mit seiner Frau Camilla durchs schottische Hochland. kna/afp