Es ist ein bisschen verkehrte Welt, Beobachter reiben sich die Augen: Während in der CDU munter über den Migrationspakt diskutiert wird, stellt sich die CSU – in der Vergangenheit beim Thema Asyl eher auf Krawall gebürstet – hinter das Dokument und damit auch die Kanzlerin. Horst Seehofer erklärte in dieser Woche im Bundestag, er empfehle eine Zustimmung. „Das ist meine Überzeugung“, betonte der Bundesinnenminister sogar und führte drei Punkte an. Erstens sehe die Vereinbarung vor, Schleuserbanden international zu bekämpfen und dies nicht einzelnen Staaten zu überlassen. Zweitens würden Transitstaaten mehr in die Pflicht genommen und drittens auch Herkunftsstaaten eher zur Rücknahme verpflichtet. „Glauben Sie mir“, sagt Seehofer, diese politische Verpflichtung, dass Herkunftsstaaten ihrer politischen Verantwortung gerecht werden müssten, sei „so wertvoll“, dass er heute schon an den Bundestag appelliere, dem Vertrag zuzustimmen. Woher kommt diese überraschende Haltung der Christsozialen? Zum einen hängt sie sicher mit dem neuen Ton zusammen, dem sich die CSU seit der Landtagswahl verschrieben hat. Zum anderen heißt es in der Parteispitze, man wolle Manfred Weber unterstützen, der sich als EVP-Spitzenkandidat klar pro Migrationspakt festgelegt hatte. Weber hatte erklärt: „Unterm Strich sehe ich mehr Vor- als Nachteile mit dem Ziel, Migration zu begrenzen und zu steuern, weil auch in den Herkunftsländern klare Verantwortlichkeiten festgelegt werden.“ Klingt fast wie Seehofer.