„Jeder Tag im Bauch ist ein Gewinn“

von Redaktion

5 FRAGEN AN

Frieda aus Fulda ist Europas jüngstes Frühchen: Sie kam in der 22. Schwangerschaftswoche zur Welt, war 26 Zentimeter groß, wog 460 Gramm. Heute ist sie acht – und gut entwickelt. Eine Ausnahme? Wir fragten Prof. Marcus Krüger, Chefarzt der Klinik für Neonatologie an der München Klinik Harlaching.

Ab wann können Frühgeborene überleben?

Ab der 24. Schwangerschaftswoche sollen die Kleinsten intensivmedizinisch betreut werden. Die 23. gilt noch als Graubereich – hier im Perinatalzentrum geben wir natürlich schon in der 23. Schwangerschaftswoche unser Bestes. Davor ist es extrem schwierig, da ist eine biologische Grenze erreicht.

Was sind die Gründe für Frühgeburten?

Am häufigsten sind vorzeitiger Blasensprung – oft verursacht durch Infektionen – und Schwangerschaftsvergiftungen.

Was machen Sie, wenn sich die Kleinen viel früher als geplant auf den Weg machen?

Die Kunst ist es, genau den richtigen Moment für die Geburt herbeizuführen. Im Prinzip ist jeder Tag im Bauch ein Gewinn fürs Kind – wir versuchen daher, die Schwangerschaft zu verlängern, etwa durch Wehenhemmer. Nur: Zugleich darf es Mutter und Baby nicht schlecht gehen. Ein Beispiel: Im Fall einer Infektion müssen wir das Kind holen, bevor es sich ansteckt – aber eben auch nicht viel früher. Das heißt: unter anderem mehrmals am Tag die Blutwerte der Mutter checken, um sicherzugehen, dass wir noch Zeit haben.

Mit welchen Problemen haben ganz frühe Frühchen zu kämpfen?

Ihre Lungen sind kaum ausgereift, sie müssen nach der Geburt oft beatmet werden. Zudem drohen Hirnblutungen, weil auch das Hirn nicht so weit ist. Aber: In den vergangenen Jahren hat sich medizinisch immens viel getan. Es sterben viel weniger Frühchen an Lungenproblemen und auch die Zahl der Hirnblutungen ist massiv gesunken – und damit das Risiko schwerster Behinderungen.

Die meisten Frühchen kommen ja ab der 30. Woche zur Welt …

Grundsätzlich gilt: Frühchen sind Kinder, die vor der 38. Woche geboren werden. Und je später, umso besser stehen ihre Chancen – sie bringen mehr auf die Waage, die Lungen und das Hirn sind weiter ausgereift. Aber selbst wenn die „magische 30“ überschritten ist, brauchen die Kleinsten unsere Hilfe. Und wir tun das Allerbeste für sie.

Interview: Barbara Nazarewska

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