SARAHS SIEG VOR GERICHT
Der Fall von Sarah, dem Spenderkind, das Ende 2012 vor dem Oberlandesgericht Hamm sein Recht auf Kenntnis der Abstammung erstritt, sorgte für Wirbel. Hier erzählt sie ihre Geschichte:
„Anfang der Neunziger wagten auch meine Eltern den Schritt in die Praxis von Thomas Katzorke. Mein Spender mit der Nummer 261 wurde meinem sozialen Vater angepasst. Haarfarbe, Augenfarbe, Körpergröße und Blutgruppe. Meine Mutter erzählte mir die Wahrheit, als ich 18 war. Noch nie sah ich meine Mutter so unsicher und hilflos, als sie mir plötzlich sagte: ,Dein Papa ist gar nicht dein Papa.‘ Sie sagte es, als würde ich es verstehen. Sie erzählte mir, dass mein Vater unfruchtbar ist und sie deshalb in eine Kinderwunschklinik gegangen sind. Es lief ab wie in einem Film. Mein genetischer Vater ist also ein Samenspender. Noch am Tag, an dem ich es erfuhr, begab ich mich auf die Suche. Voller Naivität schrieb ich Thomas Katzorke. Ich sollte ihm die Daten meiner Eltern schicken und ihren damaligen Wohnort, damit er die Akten heraussuchen könne. Aber auf einmal kam nichts mehr. Auf Nachfragen hin teilte man mir mit, dass es keine Daten mehr gibt und ich auch kein Recht darauf hätte. Meine Anrufe wurden abgewimmelt. Heute weiß ich: Mein biologischer Vater ist Geschichtslehrer. Meine Hand sieht aus wie seine, und seine Nichten sehen mir ähnlich, als seien es meine Halbschwestern. Auch ich habe noch mindestens 14 Halbgeschwister. Hubertus – mein biologischer Vater – sagte mal: ,Wenn wir uns alle gefunden haben, machen wir jedes Jahr eine Gartenparty.‘ Ich wollte keinen neuen, zweiten oder ,richtigen‘ Vater finden und auch kein Geld. Ich wollte nur den Menschen kennenlernen, von dem ich abstamme. Heute gehört er zu meiner eigenen Familie dazu. Nicht als Vater oder Großvater, sondern als ein lieber Freund. Aus einer Nummer wurde einfach ein Mensch, ein Teil von mir.“