„Profitieren werden die wilden Arten“

von Redaktion

6 FRAGEN AN

Felix Remter, 38, forscht am „Munich Center for Technology in Society“ der TU München über Honigbienen und ist Mitbegründer von „beetrees“, einer Initiative, die sich mit wild lebenden Honigbienen beschäftigt.

Alle sorgen sich um die Biene. Zu Recht?

Die breite Bevölkerung denkt immer an die Honigbiene. Die ist nicht bedroht, lokal ist die Bienendichte sogar sehr hoch. Es gibt aber 550 Wildbienenarten in Deutschland, gut die Hälfte ist gefährdet, etwa 40 Arten gelten als ausgestorben. Die Honigbiene als Frontkämpferin für mehr Biodiversität und weniger Pestizide ist also ein geschickter Schachzug. Profitieren werden hoffentlich die wilden Arten.

Das Imkern boomt. Nehmen Honigbienen Wildbienen das Futter weg?

Im ländlichen Raum mit den Monokulturen ist die Konkurrenz oft groß. Teilweise müssen Imker nach der Rapsernte ihre Bienen zufüttern, weil keine Nahrung mehr da ist. Man kann sich vorstellen, was das für Wildbienen bedeutet.

Übertragen sich auch Krankheiten?

Die Varroa-Milbe wird in der Imkerei mit Pestiziden bekämpft. Wildbienenarten haben kein Varroa-Problem. Bedenkt man, dass Honigbienen eigentlich auch Wildtiere sind, ergeben sich Alternativen. Nicht domestizierte Honigbienen entwickeln neue Überlebensstrategien und passen sich an Umweltbedingungen an.

Gibt es bei uns wild- lebende Honigbienen?

Ja. Häufig handelt es sich dabei um Schwärme, die aus der Imkerei kommen oder zumindest im genetischen Austausch mit beimkerten Bienen stehen. Wir haben im Perlacher Forst und in den Isarauen schon welche gefunden. Wir erforschen gerade, ob es regional auch stabile wild lebende Honigbienenpopulationen in Deutschland gibt.

Wie viele wilde Honigbienen gibt es?

Über das Projekt „beetrees“ wollen wir das herausfinden. Jeder kann mitmachen. Wir zeigen Interessierten, wie sie wilde Honigbienen aufspüren. Das ist ganz altes Wissen. Wer einer Honigbiene Futter anbietet, löst eine Reaktionskette aus. Sie fliegt zum Nest, gibt ihren Kolleginnen Bescheid. Dadurch ergibt sich eine direkte Spur zum Nest. Man kann aber auch als Pate bereits bekannte wilde Völker beobachten.

Was kann man noch für die Wildbienen tun?

Bewusst konsumieren. Im Öko-Landbau werden keine chemischen Pestizide eingesetzt – gut für die Bienen. Bienenfreundliche Pflanzen anbieten. Und bei einem Insektenhotel gut informieren, sonst kann sich das Haus als Falle entpuppen.

Interview: Aglaja Adam

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