Die kontroverse Debatte ums Fracking-Gas

von Redaktion

Washington – Fracking. Bei diesem Stichwort stellen sich bei vielen schon die Haare auf. Die Methode, bei der Gesteinsschichten mit hohem Wasserdruck und einem Chemie-Cocktail aufgebrochen werden, um neue Öl- und Erdgasvorkommen zu erschließen, ist in Deutschland höchst umstritten. „Die Fracking-Technologie kann zu Verunreinigungen im Grundwasser führen“, urteilt das Umweltbundesamt. Umweltschützern bereitet der Einsatz von Chemikalien und die Entsorgung des anfallenden Abwassers große Sorgen. In Deutschland ist nur sogenanntes konventionelles Fracking in Sandstein erlaubt. Unkonventionelles Fracking in Schiefer-, Ton-, Mergel- und Kohleflözgestein, wie es etwa in den USA betrieben wird und zu immensen neuen fossilen Fördermengen geführt hat, ist hierzulande verboten.

Spricht man mit den Energieverbänden in den USA, hört sich das alles nicht schlimm an. „Ja, wir hatten schwarze Schafe, die für schlechte Publicity gesorgt haben“, sagt Barry Worthington von der United States Energy Association. „Aber Fracking muss nur richtig gemacht werden.“ Umweltschützer sehen das ganz anders. „Die Folgen des Frackings in den USA sind schrecklich“, sagt Susan Stevens Miller von der Umweltschutzorganisation Earthjustice. „Die Fracking-Firmen vergiften das Wasser und sagen uns nicht einmal, welche Chemikalien sie benutzen. So weiß keiner, was alles in das Grundwasser gelangt.“

Doch die Fracking-Fragen sind nicht die einzigen umweltpolitischen Kontroversen bei der Förderung von Erdgas in den USA. Durch Lecks und Verdunstung bei der Öl- und Gasproduktion, sogenannten Schlupf, gehen der Industrie offenbar immense Mengen an Methan verloren – die dann auch noch als Treibhausgas das Klima stark belasten. Forscher kamen in einer Studie zu dem Ergebnis, dass in den USA 2,3 Prozent der geförderten Gasmenge in die Atmosphäre entweichen. „Das sind 60 Prozent mehr als die US-Regierung in ihren Statistiken angibt“, sagt Mark Brownstein von der US-Umweltschutz-Organisation Environmental Defense Fund. Mit der entwichenen Menge an Erdgas könnten zehn Millionen Haushalte beheizt werden, wie die New York Times hochrechnete.

Besonders viel Aufsehen erregte ein 2015 entdecktes Gasleck in einem zur Gaslagerstätte umfunktionierten ehemaligen Ölfeld in Kalifornien. „Sie haben sechs Monate gebraucht, um es wieder unter Kontrolle zu bringen“, sagt Brownstein. Am Ende entwichen rund 100 000 Tonnen Methan – das für das Klima übrigens 25 mal schädlicher ist als CO2, auch wenn die Lebenszeit von Methan in der Atmosphäre kürzer ist.

„Die Schlupf-Rate geht zurück“, entgegnet Charlie Riedl von der Lobbyorganisation Center for Liquefied Natural Gas. „Jedes verlorene Gas-Molekül ist für uns ein Einkommensverlust.“ Mittlerweile würden Drohnen eingesetzt, um Gaslecks zu finden. Doch darauf will sich Mark Brownstein vom EDF nicht verlassen. Seine Organisation plant, einen Satelliten ins All zu schicken, mit dem die Methan-Emissionen der Öl- und Gasindustrie überwacht werden sollen. Geplanter Abflug: 2021.  dg

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