München – Mehr Sicherheit an Bahnhöfen – so etwas ist flott gefordert, jedoch sehr schwer umsetzbar. Der stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Jörg Radek, forderte nach dem Frankfurter Vorfall, „über den Einbau technischer Sperren zu diskutieren, die den Zugang zu Gleisen erst ermöglichen, wenn der Zug bereits steht“. Bahnsteigsperren also – und in der Tat denkt man in München bereits seit einiger Zeit in diese Richtung. 2018 vergab die MVG nach diversen Unfällen eine Machbarkeitsstudie zum Einbau von Bahnsteigtüren. „Solche Türen gibt es bisher in Deutschland noch nicht“, sagt Matthias Korte, Sprecher der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG). Unter anderem in der Pariser Metro und der Londoner U-Bahn wurden solche Türsysteme schon an einigen Stationen eingebaut. Voraussetzung ist stets, dass die Züge so halten, dass die Türen auf Höhe der Einlässe zwischen den Trennwänden halten – und die Türen und Einlässe müssen synchron aufgehen.
Ob bestehende Linien technisch nachgerüstet werden können, ist die spannende Frage, die die Studie klären will. Just am Freitag will die MVG erste Ergebnisse vorstellen. Machbar wäre so ein System auf jeden Fall bei der erst noch zu bauenden Innenstadt-Linie U9, sofern dort baugleiche Züge mit identischen Türabständen fahren. Im Moment mischt die MVG auf allen Linien durch. Sie hat neben dem neuen Gliederzug C2 auch noch ältere Fahrzeuge im Einsatz – Typ A stammt noch aus den Jahren nach 1970.
Andere Sicherheitssysteme wurden bereits in der Vergangenheit getestet – mit ernüchterndem Ergebnis. Am U-Bahnhof Rotkreuzplatz und der oberirdischen Station Studentenstadt etwa hatte die Münchner Verkehrsgesellschaft nach Unfällen Laserscanner, Radarsensoren und Echtzeit-Videoanalyse ausprobiert. Kein System bewährte sich. Außerdem hat die U-Bahn am Hauptbahnhof (U1/U2/U7) sowie am Sendlinger Tor (hier auch U3/U6) bis zu fünf Abfertiger am Bahnsteig, die im Berufsverkehr den Sicherheitsstreifen trotz des Gedränges frei halten sollen. Das Sicherheitspersonal werde „perspektivisch sicher auch an weiteren Bahnhöfen eingesetzt“, sagt MVG-Sprecher Korte.
Auch die S-Bahn in München hat Abfertiger im Einsatz – sie nennt sie Einstiegslotsen. Am Hauptbahnhof, in Pasing, am Marienplatz und Ostbahnhof sollen die Männer und Frauen mit den gelben Westen Leute zurückpfeifen, die an der Bahnsteigkante stehen. Kaum denkbar ist der Einbau von Bahnsteigtüren, da auf der Stammstrecke (Hauptbahnhof, Stachus, Marienplatz) zum Teil die „spanische Lösung“ besteht, das heißt, der Fahrgast in die S-Bahn nach beiden Seiten ein- und aussteigen kann. Ergo müsste man die Bahnsteigtüren auf beiden Seiten verankern, was die Kosten in die Höhe treibt. Auch bei einem weiteren Detail hat die U-Bahn Vorsprung: Jeder der 100 U-Bahnhöfe hat unter der Bahnsteigkante einen Sicherheitsraum. Die S-Bahn rüstet an ihren 150 Stationen erst nach, aktuell werden die Nischen bei der Sanierung des Bahnhofs Buchenau (Kreis Fürstenfeldbruck) eingebaut.