„Vom Amt hat uns niemand gewarnt“

von Redaktion

5 FRAGEN AN

Ihr Einsatzgebiet ist die Isar. Und doch sind auch die Mitglieder des Anglervereins Moosburg Opfer des Züchters geworden, der die Moosach in Freising mit Malachitgrün verunreinigt haben soll und inzwischen angeklagt wurde. Sie haben in der Fischzucht Kiffner Satzfische gekauft, die stark mit dem als krebserregend eingestuften Fischarzneimittel belastet waren. Auch die Angler litten unter der aus Sicht des Vereinsvorsitzenden Michael Hartl (54) verfehlten Kommunikationspolitik des Landratsamtes. Seit September 2018 war den Behörden bekannt, dass Fische aus der Moosach mit Malachit belastet waren.

Herr Hartl: Wann wurden Sie informiert?

Wir haben Ende Januar ein Schreiben vom Landratsamt erhalten. Da ging es darum, dass die Sedimente der Moosach mit Malachitgrün belastet sind und nicht auszuschließen ist, dass die Fische das Gift aufnehmen. Für mich war das alles sehr vage formuliert – keine Rede von einem Zuchtbetrieb, auch keine Rede davon, dass die Staatsanwaltschaft bereits ermittelt.

Wann haben bei Ihnen die Alarmglocken geschrillt?

Als ich über die Medien erfahren habe, um welchen Fischzüchter es da gehen soll. Seit 2015 kaufen wir bei ihm Fische und setzen sie in die Isar. Zuletzt haben wir im September 2018 bei ihm 450 Forellen bezogen.

Wie haben Sie reagiert?

Ich habe sofort zwei Regenbogenforellen aus der Tiefkühltruhe geholt, die ich aus dem Isarabschnitt gezogen habe. Mit ihnen bin ich zum Tiergesundheitsdienst gefahren und habe sie untersuchen lassen. Beide Fische waren mit 332 Mikrogramm Leukomalachitgrün pro Kilo schwer belastet. Weil Forellen standorttreu sind, bin ich mir sicher, dass sie aus der besagten Zucht stammen.

Was haben Sie bei dem Ergebnis empfunden?

Wir Angler waren alle geschockt. Wenn man bedenkt, dass das Mittel verboten ist und die Toleranzgrenze bei zwei Mikrogramm endet, ist das ein enorm hoher Wert. Gegen den Züchter haben wir deswegen Klage eingereicht. Wir waren aber auch über das Landratsamt verärgert. Schließlich haben wir diese Fische monatelang gegessen, ohne dass uns jemand gewarnt hätte.

Hat sich das Landratsamt entschuldigt?

Nein. Ein Schuldeingeständnis hatte ich aber auch nicht erwartet. Aber ein Wort des Bedauerns, eine Geste der Hilfsbereitschaft, das wäre schon schön gewesen. Aber die haben sich überhaupt nicht gemeldet.

Interview: Manuel Eser

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