München – Eduard Kastner, 69, hat sich große Ziele gesetzt. Der Chef eines Druck- und Verlagshauses in Wolnzach (Landkreis Pfaffenhofen) ist Gründer und Vorstand der Stiftung „Forschung für Leben“, die das „Climate Correction Project“, zu deutsch Klimakorrekturprojekt, aufgebaut hat. Kastner will Wüsten begrünen, im ganz großen Stil mit Hilfe von Meerwasserentsalzungsanlagen. Die Entsalzung soll mit Solartechnik erfolgen, also ohne klimaschädliches Kohlendioxid, auch das ist Kastner wichtig. Wenn er die gesellschaftliche Entwicklung verfolgt, fühlt er sich mehr als bestätigt. „Der Protest der Jugend ist richtig“, sagt Kastner. Aber das sei nur der Anfang: „Wir müssen endlich handeln, angesichts der Verwüstung der Erde.“
Die Wüsten wachsen, teils natürlich, teils vom Menschen verursacht. Desertifikation nennen Experten das. Weltweit verwüstet jedes Jahr eine Fläche so groß wie Irland. Ein Drittel der globalen Landfläche könnte bald verwüstet sein. Die Sahara ist seit 1920 um zehn Prozent gewachsen. Ein Drittel des Wachstums, sagen Forscher, sei vom Menschen verschuldet. An anderen Orten der Welt ist der Einfluss des Menschen viel größer. Ein Problem sind neben Überweidung und falscher Bodennutzung die Abholzungen in Brasilien, Afrika, Asien. Auch Europa ist betroffen. Der Europäische Rechnungshof nennt in einem Bericht Bulgarien, Griechenland, Spanien, Kroatien, Italien, Zypern, Lettland, Ungarn, Malta, Portugal, Rumänien, Slowenien und die Slowakei.
Das „Climate Correction Project“ ist denkbar einfach: In Afrika, der Sahara und der Sahelzone gibt es Sonne im Überfluss und endlose Landflächen, um riesige Solaranlagen zu bauen, in denen Meerwasser entsalzt wird. Eine Technik, die schon in der Antike bekannt war: Seeleute, die unter Trinkwassermangel litten, kochten Meerwasser und fingen den Wasserdampf mit Schwämmen auf.
Die Vorteile liegen auf der Hand: Für die Bevölkerung würden Arbeitsplätze und Auskommen geschaffen, trockene Gebiete begrünt, was auch positive Auswirkung auf das Mikroklima hätte. Die Milliarden-Kosten für dieses Projekt würden, so die Rechnung, durch den Nutzen in der Zukunft mehr als aufgewogen. Denn bekommen die Menschen in den trockenen Regionen keine Perspektive, hätte das verheerende Folgen. Erderwärmung, steigende Meeresspiegel und heftige Unwetter könnten die Zahl der Flüchtlinge extrem ansteigen lassen. Laut einem Bericht der Weltbank ist der Klimawandel ein Treiber von Migration – und könnte bis 2050 mehr als 100 Millionen Menschen dazu bringen, ihre Heimat zu verlassen.
Die Begrünung von ariden, also trockenen Gebieten, sei ein wirksamer Klimaschutz mit positiven Nebenwirkungen, sagt Markus Disse, Professor am Lehrstuhl für Hydrologie der Technischen Universität München (TU). Das Ziel Kastners, mit einem gigantischen Entsalzungsprojekt nicht nur Wüstenböden fruchtbar zu machen, sondern auch den Meeresspiegel zu senken, nennt er „sehr ambitioniert“. Die Begrünung aber hält Disse für ein durchaus realistisches Ziel. Durch die Wiederaufforstung werde eine CO2-Absorption erreicht – die Bäume speichern das Kohlendioxid.
Beispiele für erfolgreiche Aufforstungen sind laut Disse der große grüne Wall („Great Green Wall“) in der Sahelzone, der über elf Staaten die weitere Ausbreitung der Sahara nach Süden stoppen, ja sogar umkehren soll. Oder die Begrünung in Israels Wüsten. Dabei wird durch Tröpfchenbewässerung Wasser äußerst effektiv eingesetzt. Auch das ist ein uraltes Verfahren aus der Antike. Wasser wurde in unterirdischen Kanälen wohldosiert auf die Felder gebracht, um Verluste durch Verdunsten gering zu halten. Das „visionäre Projekt“, wie Disse es nennt, soll riesige Gebiete fruchtbar machen – ein Drittel als Wälder, zwei Drittel als Ackerland.
Die Entsalzung ist nicht der einzige Ansatz für Wälder in der Wüste. Eine gelungene Aufforstung stellte Reinhard Mosandl, Professor am Lehrstuhl für Waldbau der TU München, Mitte Juni bei der Welt-Wasser-Konferenz in München vor, zu der die Stiftung „Forschung für Leben“ Wissenschaftler, Wirtschaftsvertreter und Politiker geladen hatte. In Ägypten werden Bäume gepflanzt, die mit Abwässern versorgt werden (siehe Artikel unten).
Die Idee, weltweit Bäume zu pflanzen, treibt vor allem junge Menschen um. Bei seinem Vortrag verwies Mosandl auf den 21-jährigen Felix Finkbeiner. Der Oberbayer und seine über 70 000 jungen Mitstreiter von „Plant-for-the-Planet“ (Pflanzen für den Planeten) wollen Milliarden Bäume pflanzen, um das Weltklima zu retten. Die TU München verfügt über das nötige technische Wissen, um Wälder aufzuforsten und landwirtschaftliche Flächen aus Wüste zu gewinnen. Das enorme Wachstum der Weltbevölkerung, vor allem in Afrika, ließe sich mit Wohlstand und Bildung beenden, glaubt Kastner. „Dafür müssen wir die Kosten radikal senken, damit wir Wasser in großem Stil in die Wüste bringen können.“