9 FRAGEN AN
Seit 15. Juni fahren E-Scooter auf Münchens Straßen. Werner Kraus, Sprecher der Münchner Polizei, zieht eine erste Bilanz.
Wie viele Unfälle hat die Polizei registriert?
Wir haben 22 Unfälle mit neun Leicht- und drei Schwerverletzten. Zwei Unfälle waren unter Alkoholeinfluss, einer unter Alkohol- und Drogeneinfluss. Aber uns wurden sicher nicht alle Unfälle angezeigt.
Wie viele Fahrer hatten zu viel Alkohol?
Es gab 418 Anzeigen wegen Alkohol. Es hat sich anscheinend noch nicht rumgesprochen, dass die selben Grenzwerte gelten wie beim Auto. Ab 0,5 Promille ist man im Bereich einer Ordnungswidrigkeit, ab 1,1 Promille ist es eine Straftat. Wir hatten 251 Ordnungswidrigkeiten und 167 Straftaten. Das ist schon heftig in nur sechs Wochen.
Was kann man zum Alter der Unfallfahrer sagen?
Das haben wir bisher noch nicht im Einzelnen ausgewertet. Die Roller gibt es ja erst seit 15. Juni.
Fehlt es an Aufklärung?
Definitiv. Beim Pkw ist sich jeder bewusst, dass man nicht alkoholisiert fahren darf. Beim E-Roller scheint es noch nicht in den Köpfen zu sein. Die stehen so rum und viele haben wohl nicht das Gefühl, sich aktiv am Straßenverkehr zu beteiligen.
Wie gefährlich schätzen Sie die E-Scooter ein?
Das ist schwierig zu sagen. Aber unsere Erfahrung ist schon, dass viele sich schwer tun, damit umzugehen. Das Fahrgefühl fehlt.
Müssten die Roller-Verleiher mehr aufklären?
Ich appelliere vor allem an die Fahrer. Wenn ich so ein Gefährt benutze, muss ich schon wissen: wie geht das, was muss ich beachten. Natürlich wäre es von Vorteil, wenn die Anbieter noch mehr aufklären, aber letztlich ist es die Selbstverantwortung des Nutzers.
Ist die derzeitige Gesetzeslage ausreichend?
Die relevanten Dinge sind geregelt. Die Aufklärung ist unser oberstes Anliegen.
Wie soll das beim Oktoberfest werden?
Da sind wir mit der Stadt München im Gespräch. Unser Wunsch ist natürlich, dass die Gefahren so gering wie möglich gehalten werden. Wenn viele Leute unterwegs sind, und das angetrunken, ist es schon gefährlich, wenn sich Leute auf E-Scootern durchschlängeln.
Gibt es Konflikte zwischen Rollerfahrern, Radlern und Fußgängern?
Uns ist soweit nichts bekannt. Aber ich möchte es nicht ausschließen, dass es zu solchen Konflikten kommt, die dann nicht bei uns angezeigt werden.
Interview: Wolfgang Hauskrecht