Geheimnisvolle Pummel-Hummel

von Redaktion

Alle reden von den Bienen, aber auch die Hummeln sind in Gefahr. Die süßen Pummelchen gehen beim Hype um die Honigbiene fast völlig unter. Dabei sind die Pelzträger faszinierende Tiere. Wir decken die größten Geheimnisse der Hummeln auf.

Wie viele Hummelarten gibt es in Deutschland?

Weltweit brummen hunderte Arten von Hummeln durch die Luft, in Deutschland sind laut Auskunft des Bund Naturschutzes 45 Arten heimisch. Sieben davon kommen relativ häufig vor: die Ackerhummel, die Gartenhummel, die Bunte Hummel, die Erdhummel, die Baumhummel, die Steinhummel und die Wiesenhummel. 16 Hummelarten gelten inzwischen als gefährdet.

Wie unterscheiden sich die vielen verschiedenen Arten?

Der Bund Naturschutz hat unter www.deutschland-summt.de eine gute Beschreibung. Vier Arten haben ein helles Ende des Hinterleibs: Die Dunkle Erdhummel hat zwei gelbe Streifen, sie wird deshalb auch „Borussia-Hummel“ genannt. Die Gartenhummel hat drei gelbe Streifen. Hat der Rücken einen bräunlichen Streifen, handelt es sich wahrscheinlich um die Gartenhummel, ist er ganz bräunlich ohne dunkle Streifen, ist es vermutlich eine Ackerhummel. Ein dunkles Ende des Hinterleibs haben die Wiesen- und die Steinhummel. Die Wiesenhummel hat zwei bis drei Streifen, die Steinhummel nur einen.

Was sind Kuckuckshummeln?

Das sind Schmarotzerhummeln, die ihre Eier in bestehende Hummelvölker legen und dort ausbrüten lassen. Neun Kuckuckshummel-Arten gibt es.

Sind Hummeln fleißiger als Bienen?

Tatsächlich sind Hummeln noch fleißiger als Bienen. „Da Hummeln ihre Körpertemperatur selbst regulieren können, sind sie temperaturunempfindlich“, sagt Christine Margraf vom Bund Naturschutz. Sie fliegen auch bei kühleren Temperaturen und schlechtem Wetter Blüten an und sind dadurch weitaus länger als Bienen auf Nahrungssuche unterwegs – und retten in verregneten Jahren schon manche Obsternte.

Auf welchen Nektar fliegen die Hummeln?

Grundsätzlich besuchen Hummeln die unterschiedlichsten Pflanzen. Tatsächlich gibt es aber über 1000 Obst- und Gemüsesorten, die von der Bestäubung der dicken Brummer abhängig sind, darunter Tomaten, Paprika oder Pfirsiche.

Wo lebt die Hummel?

Die Hummel stammt aus der Himalaya-Region und breitete sich bis Sibirien, Alaska und Grönland aus. Ihre Nester bauen Hummeln zum Beispiel in Steinspalten, Mauselöchern, in verlassenen Vogelnestern, hinter Hauswänden oder an Totholzhaufen.

Sind Hummeln nicht zu dick zum Fliegen?

„Die Hummel kann eigentlich nicht fliegen. Aber sie weiß das nicht und fliegt einfach trotzdem!“ Dieses Paradoxon hat der französische Entomologe Antoine Magnan in seinem Buch „Der Flug der Insekten“ von 1935 in die Welt gesetzt. Und theoretisch stimmt es: Nach den Gesetzen der Aerodynamik sind die Flügel der Hummel schlicht zu klein für ihren Körper. Aber sie sind besonders. Christine Margraf erläutert: „Das Gelenk der Hummelflügel besteht aus einem extrem elastischen Eiweißmolekül, dem Resilin. Durch die Biegsamkeit und die schnelle Flügelbewegung – mehr als 100 Mal pro Sekunde – werden Wirbel erzeugt, die der Hummel den nötigen Auftrieb und Vorschub ermöglichen.“

Gibt es auch Hummelköniginnen?

Natürlich gibt es auch bei den Hummeln Ihre Majestät. Nur die Königinnen überwintern. Im zeitigen Frühjahr suchen sie einen Nistplatz und gründen ein neues Volk. Dieses ist je nach Art mit 50 bis 500 Arbeiterinnen erheblich kleiner als ein Bienenstaat.

Wie groß und schwer sind Hummeln maximal?

Hummeln sind zwischen acht und 21 Millimetern groß und wiegen etwa 1,2 Gramm. Die Fragranshummel ist die größte Hummelart Europas mit einer Länge von bis zu 50 Millimetern.

Gibt es auch Hummelhonig?

Hummeln können Honig produzieren, tun dies aber nur in sehr geringen Mengen. Denn anders als bei den Honigbienen muss der Honig nicht dafür reichen, ein ganzes Volk über den Winter zu bringen. Nur die Jungkönigin braucht Vorräte.

Stechen Hummeln?

Hummeln stechen eher selten und gelten als relativ friedlich. „Sie stechen nur dann, wenn sie sich wie zum Beispiel beim Quetschen ihres Körpers bedroht fühlen“, schreibt das Umweltbundesamt auf seiner Homepage. Befürchten Hummeln einen Angriff auf ihr Nest, legen sie sich bedrohlich brummend auf den Rücken. Wenn der Feind sich nicht zurückzieht, kann es zu Attacken mit Bissen und Stichen kommen. Der Stachel einer Hummel hat keinen Widerhaken und bleibt nicht wie der der Honigbiene stecken. Im Gegensatz zur Honigbiene überlebt die Hummel deshalb den Stich. Bei Allergikern besteht allerdings die Gefahr eines anaphylaktischen Schocks.

Warum brummen Hummeln?

Bienen summen, Hummeln brummen. Aber warum? Zum Beispiel, um Angreifer zu warnen. Aber Hummeln brummen auch, wenn sie Blüten bestäuben. Sie erzeugen mit ihrem Flügelschlag Frequenzen, um Pollen aus den Blüten zu schütteln. Übrigens: Pestizide wie Neonicotinoide beeinträchtigen diese Vibrationen. Forscher vom Karlsruher Institut für Technik (KIT) und der schottischen University of Stirling haben herausgefunden, dass Hummeln, die mit dem Pestizid in Berührung kamen, bis zu 57 Prozent weniger Pollen sammelten – und eben auch deutlich weniger brummten.

Warum liegen manchmal im Sommer so viele tote Hummeln unter Bäumen?

Besonders unter Linden kommt es im Hochsommer oft zu Massensterben von Hummeln. Hier ist kein Gift im Spiel, die Hummeln verhungern einfach. Während das Nahrungsangebot im Juni noch äußerst üppig ist, wird Ende Juli die Nahrung knapp. „Linden stellen die letzten großen Nektarquellen dar“, sagt Margraf. Die heimischen Winter- und Sommerlinden blühen gut zwei Wochen vor den Silber- und Krimlinden, die aus dem Kaukasus und Südosteuropa nach Deutschland kamen und besonders in Städten gerne gepflanzt werden. Zu diesem Zeitpunkt sind die Hummeln schon so schwach, dass sie nicht mal mehr die Kraft zum Nektarsammeln haben und unter den Bäumen sterben.

Überwintern Hummeln?

Den Winter überleben nur die Königinnen. Sie werden von den Drohnen befruchtet und gehen in Winterruhe. Alle anderen Hummeln sterben am Ende des Sommers.

Wie lange lebt eine Hummel?

Die Arbeiterinnen (weibliche Hummeln) und Drohnen (männliche Hummeln) leben nur etwa drei bis vier Wochen lang. Die Königinnen haben mit bis zu einem Jahr die längste Lebenszeit.

Was bedroht die Hummel?

Wie auch den Honigbienen machen den Hummeln Monokulturen in der Landwirtschaft, Agrargifte und verschwindende Blühwiesen zu schaffen. Laut einer Studie von National Geographic von 2017 flogen vor zehn Jahren noch zwölf Arten bei uns Blüten an, inzwischen sind es nur noch sieben Arten. Am weitesten verbreitet ist die dunkle Erdhummel. Auch tierische Feinde wie die Machsmotten und diverse Vogelarten bedrohen die Hummeln.

AGLAJA ADAM

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