STROMSPEICHER

Norwegen ist das Vorbild

von Redaktion

München – Im Kleinen ist das Speichern von Strom kein Problem. Jedes Mobiltelefon hat einen Akku. Doch je größer man denkt, desto schwieriger wird es, Energie auf Vorrat zu schaffen. Die Batterie im E-Auto mag noch vorstellbar sein, aber alles, was über den privaten Haushalt hinausgeht, stößt an Grenzen. Denkt man im ganz großen Maßstab, ist das Fazit niederschmetternd. „Wir in Deutschland“, sagt Detlef Fischer, „haben so gut wie nichts.“

Beim Blick ins Ausland wird der Geschäftsführer des Verbandes der Bayerischen Energie- und Wasserwirtschaft (VBEW) neidisch. Norwegen zum Beispiel hat sich den Titel „Batterie Europas“ erworben. Das Land besitze „gigantische Speicher“, sagt Fischer. Das liegt nicht nur daran, dass Norwegen exzellente geografische Voraussetzungen hat. An Wasser herrscht kein Mangel, ob durch Fjorde, Seen oder ergiebigen Regen. Und gerade Wasser kommt beim Stromspeichern eine zentrale Rolle zu.

Das Prinzip von Pumpspeicherkraftwerken ist simpel. Vorhandener Strom wird genutzt, um Wasser von einem See in ein höher gelegenes Staubecken zu transportieren. Lässt man es später wieder ab, treibt es Turbinen an, die wiederum Energie erzeugen. Genau genommen wird der Strom also gar nicht gespeichert. Er wird von altem in neuen Strom verwandelt.

Schon in den 60er-Jahren begannen die Skandinavier mit dem Aufbau der Infrastruktur. „Das war sehr weitsichtig“, lobt Fischer. Heute, vermutet er, „wäre das so nicht mehr möglich“, weil das ökologische Bewusstsein ein ganz anderes ist. Damals regte sich im dünn besiedelten Norwegen wenig Widerstand. Die riesigen Wasserkraftwerke haben eine Speicherkapazität von 82 Terrawattstunden. Zum Vergleich: Die 36 Werke in Deutschland kommen auf 0,037. Mit Norwegens Stromspeichern ließe sich der gesamte bayerische Jahresverbrauch decken.

Verglichen mit anderen Technologien hat Wasserkraft einen hohen Wirkungsgrad – die Energie, die am Ende zur Verfügung steht, kann bis zu 90 Prozent dessen betragen, was am Anfang reingesteckt wurde. Andere Ansätze sind aufwändiger. Beim „Power to Gas“-Prinzip wird Strom mittels Elektrolyse in Wasserstoff verwandelt. Führt man CO2 zu, erhält man Methan, also Erdgas. Es ließe sich problemlos einlagern und in Gaskraftwerken wieder zu Strom verwandeln. „Wir haben große Speicher, gerade auch in Bayern“, sagt Fischer. „Technisch ist das faszinierend.“ Der Wirkungsgrad aber liegt bei maximal 30 Prozent. Bis auf Weiteres, ahnt Fischer, wird die Debatte einen vorhersehbaren Verlauf nehmen: „Solange das russische Gas so günstig ist, warum soll ich es hier so mühsam herstellen?“  mb

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