Gilching – Eine Ringleuchte, drei Strahler, Kamera, Mikrofon. Mittendrin steht Thomas Maier und überprüft alles, bevor er mit dem Dreh beginnt. Nicht in einem Studio, sondern im Wohnzimmer in Gilching im Landkreis Starnberg, wo er wohnt. Der 28-Jährige, der mit Künstlernamen „Zeo“ heißt, arbeitet an einem Youtube-Video. Er will über einen Trend, die Glücksrad-Challenge aufklären. Mit Sonnenbrille und roter Jacke macht er übertrieben entsetzt seinem Ärger Luft. „Was?! Schon wieder ein Glücksradvideo?“, schreit er wild gestikulierend. Dreimal muss er schreien und zappeln, dann ist die Einstellung im Kasten.
Kaum ist die Kamera aus, wird „Zeo“ wieder zu Thomas Maier, einem ruhigen, bescheidenen Menschen. Seit März 2013 lädt Maier auf Youtube selbst produzierte Videos hoch. Drei Kanäle betreibt er, dreht Sketches, Comedyvideos, Parodien, spielt Videospiele vor laufender Kamera, spricht über aktuelle Themen und Trends. Häufig inspirieren ihn seine Zuschauer. „Manche Trends fallen mir selbst erst auf, wenn sie schon längst wieder vorbei sind“, sagt er und lacht.
Zu Youtube kam er über Empfehlungen. „Ich fand die Idee faszinierend, seinen eigenen Content zu produzieren. Ich dachte: Das probierst du auch mal, vielleicht gefällt es ja wem.“ Am Anfang schauten nur wenige zu, heute hat „Zeo“ über 346 000 Abonnenten. „Man muss sich erst orientieren und seine Nische suchen.“ „Zeo“ rutschte in den Comedybereich, obwohl er selbst über sich sagt: „Spontan lustig sein, das fällt mir eher nicht so leicht.“
Nach der Hauptschule lernte Thomas Maier Industriemechaniker. Bald stellte er fest: Schichtarbeiten liegt ihm nicht. Es folgte die Weiterbildung zum Techniker. Nebenbei machte er Youtube. Das Portal ist der kreative Teil seines Lebens geworden. Obwohl er seinen gesamten Lebensunterhalt über Youtube bestreiten könnte, arbeitet er weiter als Techniker bei BMW. „Wer weiß, wie es sich auf Youtube entwickelt. Eine sichere Festanstellung zu haben, ist nicht schlecht“, sagt er. „Vielleicht ist der Wunsch nach Sicherheit auch etwas typisch Bayrisches.“ Der Klischee-Bayer gehört auch zu seinem Programm. In „Chill deine Basics“ schlüpft er in den fiktiven Charakter des schimpfenden „Sepp“. Sepp kritisiert alles, vom Trend bis zum aktuellen Gesellschaftsthema. „Das stark übertrieben darzustellen, macht richtig viel Spaß“, sagt „Zeo“. Sepp existiert in gewisser Weise sogar wirklich. „In der Ausbildung hatte ich mal einen Kollegen, der war ganz ähnlich.“
Mittlerweile hat „Zeo“ mit Kollegen schon vier längere Spielfilme gedreht, kürzlich den Kurzfilm „Cameraman“. Die Geschichten stammen aus Büchern, in denen er früher seine Ideen festgehalten hat. „Das war alles einfach Tagträumerei“, sagt er. Sogar einen Roman hat er schon geschrieben. „Was witzig ist, weil ich eigentlich Legastheniker bin und in Deutsch immer super schlecht war.“
Auf einem seiner Kanäle gewährt er einen Blick hinter die Fassade. Ob Faktenraten mit Kollegen oder Zuschauerfragen beantworten, ist egal. Entscheidend ist das Authentische: wie ist mein Youtuber privat, hinter was steht er? Der Blick ins Private hat auch seine Kehrseite. „Das Thema unterschätzen viele. Erkennt zum Beispiel jemand im Video dein Haus wieder, kann er recht leicht herausfinden, wo du wohnst.“ Der 28-Jährige ist in Aßling im Landkreis Ebersberg aufgewachsen, einem 4500-Seelen-Dorf. Da bleibt man als Youtuber nicht unbemerkt. Hin und wieder klingelte schon mal wer an der Tür, aber wirklich unangenehm war es noch nie. Wie es so ist, auf der Straße erkannt zu werden? „Ich bin eher schüchtern, daher ist es manchmal auch ein bisschen schwierig, richtig zu reagieren“, sagt „Zeo“. Er werde aber nach wie vor eher selten erkannt. „Ich kann ganz normal durch München gehen.“ Andererseits sei es ein großes Lob, erkannt zu werden.
Youtube, sagt „Zeo“, sei viel Arbeit. Man müsse strategisch planen, nah an Trends sein, dürfe nie langweilig werden. Vier bis 20 Stunden braucht er für ein Video, je nach Geschichte. Wichtig ist Thomas Maier, als „Zeo“ niemanden zu beleidigen, gute Werte zu vertreten, seine Fans zum kritischen Nachdenken anzuregen. „Aufklären, hinweisen, aber die Leute immer selbst entscheiden lassen.“ Hinter seinen Witzen, sagt er, stecke auch eine Botschaft. MIRJAM PRELL