FORSCHER VERGLEICHEN GENE

Im schlimmsten Fall gibt es schon eine Population

von Redaktion

München – Die Gefahr lauert im Holz von Paletten und Kisten aus fernen Ländern: invasive Käferarten, die massive Schäden verursachen. Im österreichischen Braunau schlüpfte der Asiatische Laubholzbockkäfer (ALB) auf dem Palettenlagerplatz eines Baumarkts; in Neukirchen am Inn entdeckte man den ALB auf dem Gelände einer Spedition, die Granitblöcke aus Asien importierte. Der Firma konnte Papiere vorlegen, laut denen das Palettenholz vor dem Export aus China gemäß den EU-Bestimmungen behandelt worden war. Pflanzenschutzdienste kontrollieren Importe zwar, doch es fehlen Bestimmungshilfen. Bock-, Bohr- und Splintholzkäfer sind oft nur schwer zu identifizieren. Häufig findet man auch nur zerquetschte Larven, die man nicht mehr zuordnen kann.

Abhilfe verspricht ein Projekt der Universität Hohenheim in Stuttgart und des Landwirtschaftlichen Technologiezentrums Augustenberg. Die Wissenschaftler wollen herausfinden, ob die Schädlinge nur übers Verpackungsholz einreisen, oder sich hier inzwischen schon eine Population etabliert hat, die sich selbstständig ausbreitet. Und ob die Fundtiere unabhängig voneinander eingeschleppt wurden. Die Forscher sammeln genetisches Material aller Befallsherde in Deutschland und ergänzen es mit Proben aus Museen, von Hobby-Entomologen und aus der ostasiatischen Heimat der Tiere. „Wir können so feststellen, woher genau die Käfer ursprünglich kommen. Und ob die Tiere von verschiedenen Fundstellen miteinander verwandt sind – was auf eine selbstständige Ausbreitung hindeuten würde“, erklärt Professor Martin Hasselmann, Leiter des Fachgebiets Populationsgenomik an der Uni Hohenheim.

Mit diesen Erkenntnissen sollen gezieltere Gegenmaßnahmen beim Import möglich werden. Der ALB ist zwar ein recht prominenter Vertreter der invasiven Arten, aber nicht der einzige. „Die Vorgehensweise beim Laubholzbockkäfer lässt sich auf andere Arten übertragen“, sagt Hasselmann. „Es gibt im Importholz viele weitere Käferarten, die weltweit jährlich Schäden in Millionenhöhe anrichten.“ Für über 100 dieser Arten trägt das Projektteam nun Informationen aus aller Welt zusammen, um eine frei zugängliche Datenbank aufzubauen. Sie soll die mikroskopischen Merkmale der Käfer und ihre genetischen Angaben enthalten. Geplant sind zudem Workshops zur Praktikerschulung. „Denn das Problem wird in Zeiten des Klimawandels und der Globalisierung mit Sicherheit noch zunehmen“, sagt Hasselmann. „Eine sichere und schnelle Bestimmung der Arten ist daher sehr wichtig, um rasch Gegenmaßnahmen ergreifen zu können.“

CARMEN ICK-DIETL

Artikel 3 von 4