Mallorca trauert mit München

von Redaktion

Es sollte ein besonderer Tag werden. Zu seinem 43. Geburtstag hatte August Inselkammer jun. für seine Familie einen Helikopterflug gebucht. In der Luft kollidierte der Helikopter mit einem Ultraleichtflugzeug. Niemand überlebte, auch nicht die beiden erst neun und elf Jahre alten Kinder der Inselkammers.

VON NADJA HOFFMANN

München – Der Schock, er sitzt tief. Zuhause in Deutschland bei Angehörigen, Freunden und den Angestellten von Inselkammers Firma „Isartaler Holzhaus“ im Landkreis Miesbach. Aber auch auf Mallorca. Der Zusammenstoß ist mit sieben Toten das größte Flugzeugunglück, das die beliebte Balearen-Insel erlebt hat. Bisher war dies ein Flugunfall im Jahr 1959 mit fünf Todesopfern gewesen.

Erneut trifft es die bekannte Münchner Unternehmer-Dynastie Inselkammer. Sie verliert mit August Inselkammer jun. (43), seiner Frau Christina (41) sowie den Kindern Max (11) und Sophie (9) einen ganzen Familienteil. In Holzkirchen leitete August Inselkammer jun. die Fertighaus-Baufirma „Isartaler Holzhaus“ (siehe Text unten).

Inselkammer soll, wie die „Mallorca Zeitung“ schreibt, bereits seit einiger Zeit mit seiner Familie auf der Balearen-Insel gewesen sein. Wie schon mehrmals zuvor sei die Familie, die im Münchner Stadtteil Bogenhausen lebte, in einer noblen Hotelfinca nahe Manacor im Osten der Balearen-Insel abgestiegen. Am Sonntag wurde Inselkammer 43 Jahre alt, mietete zur Feier des Tages einen Helikopter-Rundflug und plante zudem ein Geburtstagsessen mit Freunden im Restaurant Campino in Camp de Mar an der Westküste der Insel. Vom Flugplatz Son Bonet in der Nähe der Hauptstadt Palma startete der italienische Pilot den Rundflug mit den Inselkammers.

Um 13.36 Uhr kam es dann zu dem Unglück. Zwischen den Orten Inca und Costitx im Inselinneren kollidierte der Helikopter aus noch ungeklärten Gründen mit dem Ultraleichtflugzeug, das in Binissalem nordöstlich gestartet war. „Ich habe einen Hubschrauber über meinem Haus fliegen gesehen, wenige Sekunden später ist ein tief fliegendes Flugzeug aufgetaucht und die beiden sind zusammengestoßen“, schilderte ein Augenzeuge die Sekunden der Katastrophe. Es habe einen schrecklichen Knall gegeben. „Das Flugzeug ist auf einer Finca hinter meinem Haus heruntergekommen“, sagte der Mann. Ein anderer Anwohner erzählte, er habe beobachtet, wie der Hubschrauber mit seinen Rotorblättern einen Flügel des Ultraleichtfliegers berührt habe, der daraufhin zerbrochen sei. Mehrere Augenzeugen rannten zur Unglücksstelle. Das Kleinflugzeug stürzte auf das Gelände einer Finca. Es habe in Flammen gestanden, sagte ein Augenzeuge der Zeitung „Ultima Hora“. „Als die Feuerwehrmänner ankamen, hatten die Jungs das Feuer bereits mehr oder weniger unter Kontrolle.“ Für die Insassen, zwei Spanier, aber gab es keine Rettung. Die Ehefrau des erfahrenen Flugzeugpiloten, der aus Valencia stammt, erlebte den Zusammenstoß vom Boden aus mit, wie mallorquinische Medien übereinstimmend schreiben.

Auch die Familie Inselkammer und der Pilot, der Italiener Cedric Leoni, hatten keine Chance. Wrackteile des Helikopters lagen brennend in der Nähe einer alten Landstraße. „Wir haben versucht, das Feuer des Hubschraubers so schnell wie möglich zu löschen“, sagte ein weiterer Augenzeuge der spanischen Zeitung „Diario de Mallorca“. Immer mehr Nachbarn seien herbeigeeilt. „Wir konnten sie nicht retten.“

Warum es zur Kollision kam, ist noch unklar. „Es gibt keine neuen Informationen“, sagte ein Polizei-Sprecher der Guardia Civil in Palma gestern auf Anfrage. „Die Untersuchungen laufen.“ Montagnachmittag soll eine Spezial-Einheit aus Madrid auf der Insel angekommen sein. Das deutsche Bundesamt für Flugunfalluntersuchungen ist bisher nicht beteiligt.

Bis die Unfallursache benannt werden kann, könnte es Wochen dauern. Solange will sich die Firma „Rotorflug Helicopters“ aus Friedrichsdorf bei Frankfurt am Main nicht zu den Ereignissen äußern. „Wir sind zutiefst betroffen und trauern um die Verstorbenen“, heißt es in einer Stellungnahme. Es ist nicht das erste Unglück, das die Inselkammer-Dynastie erschüttert. 2014 starb Augustiner-Chef Jannik Inselkammer beim Heliskiing in Kanada in einer Lawine.

Peter Inselkammer, Wirt des Armbrustschützenzelts auf dem Oktoberfest, äußerte sich geschockt über den Tod seines Cousins und dessen Familie auf Mallorca. „Ihr Tod ist für uns alle nicht in Worte zu fassen.“ Ähnlich schwer getroffen zeigt sich mit Franz Inselkammer ein weiterer Cousin. „Wir haben einen innig geliebten Teil unserer Großfamilie verloren“, heißt es einer schriftlichen Stellungnahme. „Franz Inselkammer, die Ayinger Privatbrauerei und der Brauereigasthof Aying sind in tiefer Trauer.“

Auch auf Mallorca ist die Anteilnahme groß. Sogar Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez kondolierte: „Meine Solidarität und mein Beileid für die Familien der Opfer dieses tragischen Unfalls.“ Die Regierung der Balearen-Insel hat drei Tage Trauer angeordnet. Am Montag wurden vor dem Regierungssitz in Palma und den Rathäusern von Inca und Manacor Schweigeminuten abgehalten, die Fahnen an öffentlichen Gebäuden wehen bis Mittwoch auf halbmast.

Artikel 2 von 4