HINTERGRUND

Deutschland forscht an beiden Enden der Welt

von Redaktion

Die Klimaforschung ist zwar der wichtigste Grund für das Engagement der Bundesregierung in der Arktis. Doch rund um den Nordpol hat die Bundesregierung auch politisch die Augen auf. Gleich fünf Ministerien sind damit befasst. Es geht um Rohstoffe, die durch eine Eisschmelze absehbar zugänglich werden und um neue Schifffahrtswege, die Transporte zwischen Asien und Europa verkürzen. Es geht auch um wirtschaftliche Chancen zum Beispiel für deutsche Hersteller von Anlagen für den Abbau der Rohstoffe. Immerhin ein Fünftel der weltweiten Öl- und Gasvorräte werden hier vermutet. Die Region ist für die Großmächte auch geostrategisch wichtig. China begreift die Arktis mittlerweile als Teil der Seidenstraße. Ein gutes Beispiel für die Bedeutung ist der Vorstoß von US-Präsident Donald Trump, Grönland kaufen zu wollen. Unter dem bald tauenden Eis der zu Dänemark gehörenden autonomen Insel mit seinen rund 56 000 Bewohnern liegen wertvolle Rohstoffe.

Im Arktischen Rat, in dem Russland, die USA, Kanada, Norwegen, Dänemark, Island, Schweden, Finnland sowie Vertreter der indigenen Bevölkerung sitzen, hat Deutschland nur Beobachterstatus. In dieser politischen Runde prallen auch die Gebietsansprüche aufeinander. Kanada, die USA und Russland pochen auf Besitzrechte. Auf dem Forschungsschiff „Polarstern“ spielt das keine Rolle. Aber die Forscher verzichten diplomatisch auf die Erkundung des Meeresbodens. Denn die Ergebnisse könnten von Staaten genutzt werden, um ihre Ansprüche zu untermauern – wenn Bodenproben zum Beispiel die Zugehörigkeit des Grundes zu einer Kontinentalplatte beweisen könnten.

US-Außenminister Mike Pompeo hat vor einigen Monaten im Rat Klartext geredet. Er sprach von einer „Arena der Macht und des Wettbewerbs“. Der für die Auslandsaufklärung zuständige Bundesnachrichtendienst (BND) beobachtet das Geschehen systematisch. „Die zu großen Teilen unbewohnbare Arktis hat das Potenzial, zu einer Konfliktregion der Zukunft zu werden“, so der Geheimdienst.

Das bundeseigene Alfred-Wegener-Institut (AWI) ist als eines der wenigen Institute weltweit sowohl am Nordpol als auch in der Antarktis wissenschaftlich vertreten. Am Südpol beispielsweise seit zehn Jahren mit der Forschungsstation Neumayer III. Hoch im Norden betreibt das Helmholtz-Zentrum den AWI-Hausgarten in der Framstraße, wo Wissenschaftler das Ökosystem von der Meeresoberfläche bis hinein in die Tiefsee untersuchen. Benannt ist das 1980 gegründete AWI nach dem Entdecker der Kontinentaldrift, Alfred Wegener. Untersucht werden auch die Nordsee sowie die küstennahen Regionen. Das Institut mit rund 1400 Beschäftigten hat seinen Hauptsitz in Bremerhaven. Außenstellen gibt es in Potsdam, auf Sylt und auf Helgoland. W. MULKE

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