4 FRAGEN AN
Christoph Hagenauer ist derzeit Schulleiter am Werdenfels-Gymnasium und erklärt, welche Chancen Flüchtlinge am Gymnasium haben.
Warum ist die Geschichte von Wajd besonders?
Dass Kinder aus geflüchteten Familien direkt auf ein Gymnasium gehen, kommt relativ selten vor. Meist besuchen sie zunächst Grund-, Mittel- oder Realschulen. Kommen sie dann in der Unterstufe zu uns, sind sie meist schon länger im System. Bei Wajd war die Herausforderung, dass sie schon relativ alt war, als sie ankam. Also hatte sie sehr wenig Zeit, die neue Sprache zu lernen, sich zu integrieren und in das unbekannte Schulsystem einzufügen. Je älter ein Schüler ist, wenn er nach Deutschland kommt, umso größer muss seine Begabung sein, damit er es am Gymnasium schafft. Wajd hatte die nötige Begabung. Plus großen Fleiß und die Bereitschaft, sich auf Neues einzulassen.
Wann kann ein Flüchtling direkt am Gymnasium aufgenommen werden?
Letztlich ist es eine Entscheidung des Schulleiters. Kommen Schüler direkt nach kurzer Zeit in Deutschland zu uns, haben uns meist Lehrer aus Mittel- oder Realschulen auf einen bei ihnen unterforderten Schüler hingewiesen. Manchmal fällt, wie bei Wajd, außergewöhnliche Begabung auch Helfern in den Unterkünften auf. In solchen Fällen müssen wir sehen, ob wir die Erfolgschancen genauso einschätzen. Unsere grundsätzliche Haltung ist aber: Wir geben nach Möglichkeit jedem eine Chance. Allerdings haben wir auch die Verantwortung, die Kinder richtig einzuschätzen, damit sie am Ende den für sie besten Abschluss machen können.
Wenn das Kind da ist, wie geht es weiter?
Dann hat es zunächst für ein Jahr Gastschüler-Status. In dieser Zeit nimmt es an allen Leistungsnachweisen teil, die Noten zählen aber nicht zu einer Zeugnisnote. Am Ende des Jahres stehen Aufnahmeprüfungen an. Sie sind die Grundlage für unsere Entscheidung, ob das Kind den Weg bei uns weiter geht. Wir analysieren die Ergebnisse dieser Prüfung und holen zusätzlich die Empfehlung des Klassenteams ein. Nach der Aufnahmeprüfung haben die Schüler noch ein halbes Jahr Probezeit und sind ab dann reguläre Schüler.
Was ist die größte Herausforderung für die Flüchtlingskinder?
Sich auf ein neues schulisches und kulturelles System einzulassen. Ich habe das Gefühl, dass es Mädchen oft leichter haben – gerade wenn das Thema Gleichberechtigung in ihrem Heimatland eine weniger große Rolle spielt, erleben sie hier oft eine ganz andere Freiheit und mehr Entfaltungsmöglichkeiten. Für die Jungs ist es oft schwieriger, auch weil an sie von der Familie oft größere Erwartungen gestellt werden. anh