„Die Klimakrise ist in Bayern sichtbar“

von Redaktion

4 FRAGEN AN

Martin Geilhufe, 35, ist bayerischer Landesbeauftragter des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland.

Herr Geilhufe: Vorneweg die Entwicklung der Durchschnittstemperaturen in Bayern: Im 20. Jahrhundert waren es 7,5 Grad. Im 21. Jahrhundert 8,9 Grad. 2018 sogar 9,9 Grad. Wie macht sich das hier bemerkbar?

In der bayerischen Landschaft ist die Klimakrise sichtbar geworden. Wir sehen rote, abgestorbene Bäume, vor allem Fichten und Kiefern. Wir können von einem „Waldsterben 2.0“ sprechen. Die Gletscher schmelzen, die weiße Weihnacht bleibt schon lange aus, und wir haben gehäuft Unwetterereignisse. Das sind alles Naturphänomene, die mit der Klimakrise im Zusammenhang stehen.

Gehen wir ins Detail und fangen in den Bergen an. Wie geht es den Gletschern?

Den Gletschern geht es schlecht, und dem Schneefernergletscher, den der Ministerpräsident und der Umweltminister besucht haben, besonders. Das Gletscherschmelzen beobachten wir jetzt schon seit dem 19. Jahrhundert. Auf der Zugspitze wurde der Schneefernergletscher Mitte der 1990er-Jahre mit Schutzplanen bedeckt, damit die Sonneneinstrahlung im Sommer nicht so stark am Gletscher zehrt. Das hat man aber aufgegeben, weil es nicht viel gebracht hat. Hieran sieht man, dass der Kampf um diesen Gletscher verloren ist.

Wie sieht es in der bayerischen Tierwelt aus?

In diesem Jahr haben wir es erstmals deutlich bei der Amphibienwanderung gemerkt und sehen hierbei einen Zusammenhang mit dem trockenen Frühjahr. Es gibt niedrige Wasserstände vom Tümpel bis zum Hochmoor, nahezu in allen Feuchtgebieten, und das ist gerade für Amphibien ein Problem. Es besteht durch die Austrocknung der Haut Gefahr, und die Tiere gehen gegebenenfalls nicht auf Laichwanderung. Noch ein Beispiel: Die Flussperlmuschel, der es seit vielen Jahren schlecht geht, weil die Bäche verunreinigt und auch wärmer werden. Wir versuchen am Dreiländereck in Hof, pro Jahr gleich mehrere Generationen von Flussperlmuscheln selbst zu züchten und dann wieder auszusetzen. Wir haben aber die absurde Situation, dass sie nicht überleben, wenn wir sie aussetzen, weil das Wasser diesen Sommer einfach zu warm war.

Und wie steht es um die Pflanzen?

Da gibt es ein Beispiel, das in Bayern ans Herz geht: der Hopfen. Die extremen Witterungsverläufe mit anhaltenden Hitzeperioden und Starkregen machen dem Hopfen zu schaffen.

Interview: Christopher Meltzer

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