Die Geschichte des Erdöls in Bayern

von Redaktion

Die Erdölgeschichte in Bayern beginnt lange vor der Erfindung des Bohrmeißels. 1441 entdeckte ein Benediktinermönch am Westufer des Tegernsees eine sprudelnde, ölhaltige Quelle. Weil dem Steinöl heilsame Kräfte zugeschrieben wurden, verkauften die Mönche das „Quirinusöl“ an Pilger aus Nah und Fern. Im Zuge der Säkularisierung ging die Quelle auf den bayerischen Kurfürsten über, der erforschen ließ, wie sich das Öl am besten nutzen lässt. Zunächst wurde es als Brennstoff von Lampen und zur Herstellung von Bitumen verwendet, um Straßen zu asphaltieren. Mit Hilfe einer Handpumpe wurden so am Tegernsee 1838 rund 800 Liter Erdöl pro Jahr gefördert. 20 Jahre später nahm die industrielle Förderung von Öl in Deutschland Fahrt auf – jedoch nicht am Tegernsee, sondern am Rand der Lüneburger Heide. In Wietze bei Celle kam es zu einer der ersten Erdölbohrungen der Welt. Eigentlich waren die Bohrmänner auf der Suche nach Braunkohle, als sie zufällig auf Erdöl stießen. Ende des 19. Jahrhunderts wollte die bayerische Bezirksverwaltung auch die Förderung am Tegernsee wieder in Schwung bringen. Ab 1907 förderte die „Erste Bayerische Petroleum Gesellschaft“ Erdöl aus einer Tiefe von rund 500 Metern. Bis zu elf Bohrtürme ragten zeitweise am Westufer des Tegernsees empor. Dennoch waren die Erdölvorkommen am Tegernsee nicht besonders ergiebig. Dafür stießen die Bohrmänner 1909 auf heißes jod- und schwefelhaltiges Wasser, damit war der Grundstein für das heutige Bäderdreieck gelegt. Die systematische Suche nach Öl und Gas begann im Alpenvorland erst wieder 1948. Dank fortgeschrittener Technik ließen sich erstmals die Strukturen unterhalb der mächtigen eiszeitlichen Schuttdecke erkennen. Bis heute wurden in Bayern rund 60 Erdöl- und Erdgasvorkommen entdeckt. Dabei lieferten die Ölquellen im Freistaat etwa sieben Millionen Tonnen Erdöl. Aktuell gibt es nur noch drei aktive Ölbohrungen in Bayern: eine in Hebertshausen bei Dachau und zwei am Lechfeld südlich von Augsburg (Schwabmünchen und Großaitingen).

WOLFGANG HASERER

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