„Es herrscht das große Chaos“

von Redaktion

5 FRAGEN AN

Felix Methmann ist Reiserechtsexperte beim Verbraucherzentrale Bundesverband.

Für Verbraucher kam die Pleite überraschend. Wie ist das passiert?

Schon seit Längerem hat Thomas Cook die Anzahlungen, die bei den Buchungen von Reisen fällig werden, nur noch schleppend oder gar nicht mehr an Hotels und Transportunternehmen bis hin zu Mietwagenfirmen weitergereicht. Das zeugt von einer schon länger andauernden wirtschaftlichen Schieflage. Die Konsequenz ist, dass Hotels nun noch mal Geld von den Reisenden vor Ort fordern. Dabei boomt die Reisebranche eigentlich. Über die genauen Ursachen des Niedergangs von Thomas Cook kann man daher auch nur spekulieren.

Was vermuten Sie?

Der Brexit und die damit verbundene Reise-Zurückhaltung der Briten spielt vielleicht eine Rolle. Aber womöglich wurden auch schwere Fehler im Management gemacht.

Am Montagmorgen hieß es vom Ferienflieger Condor, dass man von der Pleite der Konzernmutter gar nicht betroffen sei. Dann wurden plötzlich Urlauber nicht mehr transportiert. Was sagt Ihnen das?

Dass großes Chaos herrscht. Es gab ja erhebliche Finanzlücken. Ein großer chinesischer Investor hat zuletzt noch mal 900 Millionen Euro in das Unternehmen gepumpt. Aber das reichte offenkundig nicht aus.

Auch Condor hat einen Überbrückungskredit bei der Bundesregierung beantragt…

Was seinerzeit für Airberlin getan wurde, dieser Bundeskredit wurde inzwischen auch zurückgezahlt, muss grundsätzlich auch für Condor gelten. Zumindest Pauschalurlauber müssten aber auch so abgesichert sein. Denn die Reiseanbieter müssen eine Insolvenzversicherung abschließen. Ob die reicht, um alle Ansprüche zu befriedigen, steht auf einem anderen Blatt.

Warum haben Sie Zweifel, dass alle Betroffene zum Zuge kommen?

Das Gesetz sieht eine Insolvenzversicherung für Reiseanbieter vor. Das Gesetz sieht aber auch vor, dass die jährliche Versicherungssumme nicht mehr als 110 Millionen Euro betragen muss. Wenn aber mehr als 110 Millionen Euro Kundengelder im Umlauf sind, dann wird wohl nicht jeder Verbraucher etwas zurückbekommen. Wir sagen schon seit Jahren, dass diese Summe auf mindestens 250 Millionen Euro erhöht werden muss. Aber die Bundesregierung hat darauf nicht reagiert.

Interview: Stefan Vetter

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