In den Ferienorten geht die Angst um

von Redaktion

Die Tourismusbranche ringt mit der Cook-Pleite – allein in Mallorca gehen wohl 100 Millionen Euro verloren

Torremolinos – Im spanischen Ferienort Torremolinos, zwölf Kilometer von der Stadt Malaga und nur wenige Meter vom Strand entfernt, fürchtet der Taxifahrer José, dass die Briten nicht mehr kommen. Etwa jeder zweite Urlauber, den er fährt, kommt aus Großbritannien. Und die Briten, so berichtet es José, geben nunmal das beste Trinkgeld. Mehr als die Deutschen, mehr als alle anderen Touristen. Das Problem ist nur: Die meisten Briten reisen mit Thomas Cook nach Torremolinos. Und weil der britische Reisegigant pleite ist, könnte es gut sein, dass in Zukunft viel weniger kommen. José sagt: „Das wäre ein Desaster.“

Es geht in vielen Touristen-Regionen in diesen Tagen die Angst um, dass nach der Insolvenz von Thomas Cook nicht nur in diesem Sommer, sondern auch in Zukunft die Besucher fehlen werden. In Spanien erwartet José Luis Zoreda, der Vizepräsident des Reiseunternehmerverbandes Exceltur, dass die Branche aufgrund der offenen Rechnungen mindestens 200 Millionen Euro verlieren wird. Das trifft große Hotelketten wie Meliá und Iberostar, vor allem aber auch mittlere und kleinere Unternehmen.

Die Regionalzeitung „Ultima Hora“ berichtet, dass allein die Firmen auf Mallorca laut Branchenkennern schätzungsweise auf 100 Millionen Euro sitzen bleiben. Auch die Kanaren (20 Prozent aller Besucher waren Thomas-Cook-Kunden) und die Balearen (10 bis 15 Prozent) bekommen das Aus besonders zu spüren. Mit dem Veranstalter waren im vorigen Jahr rund 3,6 Millionen der insgesamt 82 Millionen ausländischen Touristen nach Spanien gekommen. Maria Frontera, die Präsidentin der Hotelierverbandes von Mallorca (FEHM), warnte, dass „die Zukunft vieler Unternehmen ernsthaft gefährdet“ sei. Die Konsequenzen der Pleite für Mallorca seien „von einer bisher nie dagewesenen Dimension“. Hilfe des Staates werde auf jeden Fall nötig sein.

In anderen Ländern hören sich die Beschwerden ähnlich an. Die griechischen Tourismusverbände vermuten, dass die Insolvenz den Tourismussektor des Landes bis zu 500 Millionen Euro kosten könnte. Es sei für die Wirtschaft „der stärkste Schlag seit der Finanzkrise“, schrieb die Wirtschaftszeitung „Naftemporiki“. Im Ranking der Zielorte von Thomas Cook lag Griechenland auf Platz drei, 2018 brachte der Veranstalter 2,8 Millionen Besucher dorthin.

In Tunesien sind laut dem Hotelverband FTH etwa 100 Hotels in Hammamet und auf Djerba betroffen. 40 von diesen seien ausschließlich Partner von Thomas Cook. „Wir sind sehr besorgt, was die Zukunft dieser Hotels betrifft“, sagte Mouna Ben Halima vom Hotelverband. Nach schweren Anschlägen im Jahr 2015 war der Tourismus eingebrochen und erholt sich erst langsam wieder.

In Ägypten müssen bis April 2020 Reservierungen für 25 000 Reisende storniert werden. Das sagte eine Sprecherin der Blue Sky Group, die nach eigener Aussage als einziger Reiseveranstalter mit Thomas Cook in Ägypten zusammenarbeitet. 2020 seien 100 000 Touristen über den britischen Konzern erwartet worden. Allein in den Hotel-Resorts im Strandort Hurghada am Roten Meer seien 1600 Touristen betroffen.

In Torremolinos, dem spanischen Ferienort bei Malaga, kann man die Reaktionen auf die Pleite gut beobachten. Ob Restaurantbesitzer, Hotelbetreiber, Taxifahrer, Putzkräfte oder Souvenirverkäufer: Alle schimpfen und klagen. Die Angestellte eines Thomas-Cook-Hotels sagt: „Ich habe drei Kinder, bin alleinerziehend, was soll aus mir werden?“  mm/dpa

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