Investor Wöhrl will bei Condor einsteigen

von Redaktion

Berlin/Frankfurt – Es hat nicht lange gedauert, bis Hans-Rudolf Wöhrl, Unternehmer aus Nürnberg, ganz offen sein Interesse mitgeteilt hat. Nachdem die Fluggesellschaft Condor durch die Thomas-Cook-Pleite in Not geraten war, sagte er gestern: „Condor braucht schnell einen neuen Eigentümer, der die Firma selbstständig weiterführt.“ Und er ließ danach auch keinen Zweifel daran, wer dieser Eigentümer sein könnte. Es sei ja so, dass Condor grundsätzlich ein gesundes Unternehmen und daher auch nicht in einem Ein-Euro-Deal zu haben sei, sagte Wöhrl – und fügte dann den entscheidenden Satz hinzu: „Daher würden wir den Kaufpreis mit anderen Investoren aufbringen.“

Es erinnert gerade sehr viel an den August des vergangenen Jahres, als Wöhrl, 71, versucht hatte, die insolvente Fluglinie Air Berlin zu erwerben, letztlich aber den Kürzeren zog. Nun nimmt er, der aus einer Familie mit Modehaus stammt, aber seit langer Zeit in der Hotellerie und im Luftverkehr engagiert ist, den nächsten Anlauf. Er betonte, dass Fernreisen ohne Condor zum Luxus werden, weil sie dann fast ausschließlich großen internationalen Fluggesellschaften überlassen werden. Und er feuerte zugleich in die Richtung von Thomas Cook, dessen Umgang mit Condor er so beschrieb: „Wie eine Kolonialmacht mit ihren Kolonien.“

Der Vorstoß Wöhrls bestätigte gestern nur noch einmal, dass der Ferienflieger Condor die Weichen für eine Zukunft ohne die insolvente Mutter Thomas Cook gestellt hat. Mit der Zusage staatlicher Hilfe im Rücken wird der Flugbetrieb fortgeführt – – der Bund und das Land Hessen (dort hat Condor seinen Hauptsitz) gewähren einen Kredit in Höhe von insgesamt 380 Millionen Euro. Als Folge dessen sollten laut der Gewerkschaft Verdi auch die knapp 5000 Arbeitsplätze vorerst gesichert sein. Zugleich ist die Condor-Führung auf der Suche nach einem neuen Eigentümer. Geschäftsführer Ralf Teckentrup sagte: „Wir sind in den letzten zwei Tagen bereits in Gesprächen mit solventen interessierten Parteien.“

Neben Hans-Rudolf Wöhrl wird auch die Lufthansa weiter als Investor genannt. Sie hatte schon im Mai ein unverbindliches Gebot für Condor abgegeben, wollte sich nun jedoch nicht dazu äußern, ob sie einen weiteren Anlauf unternimmt. Allerdings hat sie ihre damalige Offerte offiziell nie zurückgezogen.

Der weltgrößte Reisekonzern Tui hofft indes, dass das Überangebot an Flügen im Zuge der Thomas-Cook-Pleite schrumpft. „Es muss irgendwann eine Marktbereinigung stattfinden. Nach dem Ausscheiden von Air Berlin ist das nicht passiert“, sagte Tui-Chef Fritz Joussen. Zu einer Übernahme des deutschen Ferienfliegers sagte er: „Wir haben kein Interesse an Condor angemeldet.“  mm/dpa

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