Rauswurf aus dem Paradies

von Redaktion

Böse Überraschung am Traumstrand: Rund 100 Urlauber aus Deutschland, darunter auch etliche Bayern, wurden in einem Luxus-Hotel in der Dominikanischen Republik aus ihren Zimmern geworfen. Der Grund: Sie haben bei Thomas Cook gebucht.

VON MARKUS CHRISTANDL UND ALEXANDER AUER

Punta Cana/Schwandorf – Perfektes Strandwetter, 35 Grad im Schatten, aber die gut hundert Urlauber, darunter etliche Bayern, sitzen in einer Bar in Sichtweite des Pools, davor ihre gepackten Koffer. Urlaubstristesse nach der Thomas-Cook-Pleite in einem Fünf-Sterne-Hotel bei Punta Cana in der Dominikanischen Republik. Das Hotel trägt den edlen Namen Grand Palladium Palace Ressort Spa und Casino.

„Wir bekommen nur noch Getränke“, sagt Stefan Härtl aus Schwandorf in der Oberpfalz, zu essen gibt es in den Restaurants nichts mehr, denn dieses Privileg verloren die Deutschen, die alle bei Thomas Cook oder den Töchtern Neckermann und Bucher gebucht haben. Auch in ihre Zimmer dürfen sie nicht mehr. „Plötzlich gingen unsere Türkarten nicht mehr“, sagt Härtl. Statt des erhofften Grünlichts blinkte es am Schloss rot. Die Urlauber hängen seit Stunden fest.

Dabei haben die Härtls selbst noch Glück: Weil sie schon Böses ahnen, packen sie ihre Koffer und nehmen sie aus dem Zimmer, andere Reisende stehen ohne Kleidung da, es fehlt ihnen sogar an wichtigen Medikamenten.

Der hochgelobte deutsche Versicherungsschein, der für ihre Pauschalreise bürgt, greift erst bei der Insolvenz, die war für Thomas Cook Deutschland erst gestern Vormittag beantragt worden (siehe Kasten). In der Karibik war der Schein das Papier nicht wert. Das Hotel-Management will stattdessen Geld sehen für Übernachtung und Verpflegung. Geld, das sie vom Pleiteveranstalter nicht erhalten haben. Die Gestrandeten hören deshalb vom Management immer nur: „You pay cash!“ Oder ein nachdrückliches deutsches „bezahlen, bezahlen!“. Dabei hat das Härtl, der mit seiner Ehefrau eingecheckt hat, ja auch gemacht. Daheim in der Oberpfalz: „Die Reise hat pro Person 1750 Euro gekostet, für die 17 Übernachtungen inklusive Flug. Aktuell wollen die von uns einen Betrag nur für das Zimmer von 2380 US-Dollar.“

Hotelgäste fühlen sich erpresst, zumal der Sicherheitsdienst vor den Eingängen patrouilliert und eine Drohkulisse aufbauen soll. Härtl weiß, dass bereits erste Urlauber den Forderungen nachgegeben haben, um Konsequenzen abzufedern. „Sie zahlen aus Angst, aus Angst vor Gefängnis. Die anderen halten dagegen und sagen: Wir bezahlen keinen Cent, wir haben ja alles bezahlt!“

Vom Neckermann-Reiseleiter, der sich in der Bar den Urlaubern stellt, erhoffen sie sich positive Nachrichten. Daraus wird nichts. „Für euch kann ich nichts tun“, sagt er. Immerhin kann dies das Auswärtige Amt. Der deutsche Botschafter befriedet die angespannte Situation im Luxushotel. Nach einem Gespräch mit der Hotelleitung können gestern alle das Gebäude verlassen – „ohne zu bezahlen“, berichtet Härtl.

Seine Gruppe checkt nahe des Flughafens ein, heute soll es mit Air France zurück nach Deutschland gehen. Dennoch: aus dem Traum- ist ein Horrorurlaub geworden. Ein Ehepaar aus dem Rheinland ist sogar auf Flitterwochen in dem Luxusresort. „Wir waren zwei Wochen hier, der ganze Urlaub ist eigentlich im Eimer“, sagt Härtl. „Es wäre besser gewesen, ich wäre zuhause geblieben und in die Arbeit gegangen.“

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