München – Es waren nicht allein attraktive Autos, die BMW über viele Jahre so stark machten. Kernkompetenz ist die Fähigkeit des Münchner Konzerns, auch komplexe Produktionsprozesse zu organisieren. Einst war in dieser Disziplin Toyota führend und das Vorbild für BMW. Doch als BMW begann, unterschiedliche Modelle auf einem Band zu fertigen und dann doch die passende Tür zur Karosse fand und der vorgesehene Motor ins Auto, waren die Japaner überholt.
Das hat BMW in den letzten Jahren noch mal ausgebaut. Nicht nur unterschiedliche Fahrzeuge sollen in einer Fertigungslinie entstehen. Alle Werke sollen auch zwischen unterschiedlichen Antriebsmöglichkeiten wechseln können. Nicht nur zwischen Benzin und Diesel, auch Elektroantriebe gehören zum Spektrum sowie die verschiedenen Hybridvariationen, bei denen Verbrenner und Elektrokomponenten verbaut sind und am Ende auch die wasserstoffgespeiste Brennstoffzelle. Das ist alles andere als einfach. Einmal braucht man Tank, Getriebe Motor und die entsprechenden Zusatzaggregate, im anderen Fall Batterie, Elektronik und Elektromotor. Und im dritten Fall alles nebeneinander.
Es ist kein Zufall, dass von den letzten sechs BMW-Chefs fünf vorher im Vorstand für die Produktion verantwortlich waren. Bernd Pischetsrieder, Joachim Milberg, Norbert Reithofer, Harald Krüger und nun Oliver Zipse.
Die zweite große Stärke des Unternehmens ist Forschung und Entwicklung. Wenn BMW heute der mit Abstand größte industrielle Arbeitgeber in München ist, dann liegt das nicht am BMW-Werk in der Dostlerstraße, nicht am weithin sichtbaren Vierzylinder. Über 26 000 Mitarbeiter arbeiten im riesigen Forschungs- und Entwicklungszentrum (FIZ) an der Knorrstraße – dazu viele, die dafür von externen Zulieferern abgestellt werden.
Ein Vorteil, den BMW seit Jahren ausspielt, ist die enge Verzahnung von Entwicklung und Produktion. In vielen anderen Ländern der Welt setzen Entwickler niemals auch nur einen Fuß in eine Werkhalle. Das ist unter ihrer Würde. Dabei ist keineswegs sicher, dass alles, was Ingenieure für sinnvoll halten, auch in der Produktion umsetzbar ist. Bei BMW beginnt die Produktionsplanung bereits im FIZ. Im dortigen Pilotwerk klopfen Praktiker aus den Werken die Ideen von Ingenieuren auf die Umsetzbarkeit in den Werkshallen ab. Das vermeidet, dass ausgeklügelte Produktionsprozesse im Serienanlauf noch aufgedröselt werden müssen – weil bereits montierte Bauteile den Einbau anderer verhindern.
Die dritte große Stärke ist die nach wie vor starke Bindung des Unternehmens an seine Mitarbeiter. Auch die Finanzelle Beteiligung der Mitarbeiter am Unternehmenserfolg ist schwer zu übertreffen. Eine Folge ist hohe Motivation.
Allerdings könnte diese Bindung leiden. Denn seit Monaten deuten alle Zeichen darauf hin, dass die Zukunft Einschnitte beim Personal mit sich bringt. Betriebsbedingte Kündigungen sind per Vereinbarung ausgeschlossen. Doch befristet Beschäftigte, Leiharbeiter und Mitarbeiter von Werkvertragsfirmen haben diesen Schutz nicht – weil sie zwar gefühlt, aber nicht im juristischen Sinn BMWler sind. MARTIN PREM