München – Die Sonne scheint, als Werner Maaß und Gabriele Schmidt-Maaß an einem Samstagnachmittag in ihrem Haus im Münchner Stadtteil Trudering sitzen. Und wenn die Sonne scheint, dann freut sich das Ehepaar immer ganz besonders. Denn für sie bedeutet das: Warmwasser und Ökostrom – aus eigener Produktion.
Es ist schon 18 Jahre her, dass sich die beiden gebürtigen Rheinländer eine Doppelhaushälfte am Münchner Stadtrand gekauft haben. Und es ist fast genau so lange her, dass sie angefangen haben, ihre Haushälfte in ein energieeffizientes Gebäude mit moderner Technik zu verwandeln.
Auf den ersten Blick sieht man das nicht. Hinter der Fassade aber versteckt sich ein kleines Kraftwerk. Ihre neueste Anschaffung: eine Photovoltaikanlage auf dem Dach, angeschlossen an einen Energiespeicher im Keller, hergestellt von dem Dresdener Unternehmen Solarwatt. Seit einem Jahr wird im Haus der Maaß’ auf diese Art Energie produziert und gespeichert.
Vor allem für Werner Maaß, 64 Jahre alt, ist die neue Technik zum Hobby geworden. Auf einem Computer-Tablet kann er die Daten abrufen: Wie viel Energie nehmen die Solarmodule gerade auf? Wie voll ist der Speicher? Seine Frau, 63 Jahre alt, sagt: „Jeden Tag schaut er, wie viel wir geerntet haben.“
Wenn Werner Maaß und Gabriele Schmidt-Maaß über ihr aufgemotztes Eigenheim sprechen, klingt das oft wie auf einer eigenen Stromfarm. Die Früchte ihrer Modernisierung sind die eigenen Kilowatts – und so auch ein Stück Unabhängigkeit. „Die Spülmaschine läuft jetzt nicht mehr nur im Nachttarif, sondern auch mal tagsüber“, sagt Schmidt-Maaß. Mit dem Ehepaar zog 2001 auch ein energieeffizienter Lebensstil ins Münchner Viertel Trudering. Gerne erzählt Werner Maaß vom ersten Kennenlernen mit den Nachbarn. „Wir hatten schon immer den Fokus auf Energieeffizienz“, sagt er. „Da ging es beim Kennenlernen auch gleich mal um die Energiekosten.“
Dass ihr Haus bereits damals den Niedrigenergiestandard erfüllte, reichte ihnen nicht. Klimaneutral sollte es werden. Sofort nach dem Einzug dämmten sie Wände zusätzlich, mit einer Solarthermie auf dem Dach erhielten sie sonnengewärmtes Wasser. Jetzt also eine Photovoltaikanlage, die sie laut Maaß zumindest von April bis Oktober unabhängig vom öffentlichen Stromnetz mache – auch dank des 7,2 kWh – Stromspeichers im Keller.
Auf dem Tablet checkt Maaß die Leistung der Anlage. Diese sorgt dafür, dass der Ökostrom aus Eigenproduktion auch nachts fließt – oder wenn die Sonne einmal nicht scheint. Wobei das eine moderne Photovoltaikanlage an ihrer Produktion heute gar nicht mehr hindere. „Sogar der Vollmond bringt Energie ins Haus“, sagt Maaß. Und selbst die Himmelsrichtung sei kein Hindernis mehr. „Unser Dach hat sogar eine leichte Nordausrichtung.“
Es hat natürlich viel Geld gekostet, das Haus mit dieser Technik zu bestücken. Insgesamt, schätzt Maaß, haben er und seine Frau in den vergangenen 18 Jahren 40 000 Euro investiert. Etwa jeden zweiten Sommer wagten sie sich an ein neues Projekt. Manche waren größer (die Solarthermie samt Ausrüstung kostete etwa 22 000 Euro), manche kleiner. Um Subventionen bemühten sie sich nicht – anders als heute war es damals noch recht kompliziert, solche zu erhalten.
Auch wenn mit der Anlage viel Hightech ins Haus gekommen ist, versteckt sich diese gut. Das System aus Photovoltaik, Energiespeicher und Steuerung braucht kaum Platz. Die Intelligenz dahinter ist jedoch ausgereift – und begeistert Maaß. Wenn der Energiebedarf durch die eigenen Solarmodule doch mal nicht gedeckt ist, fließt automatisch Öko-Strom aus dem öffentlichen Netz ins Haus. Im umgekehrten Fall wird bei Überschuss Strom ins öffentliche Netz gespeist. Das sei genial, findet er.
Das Haus in Trudering ist nicht das erste Projekt des Ehepaars. Seit dem Jahr 1980 schon treibt sie das Thema Energieeffizienz um. Alles begann in einem kleinen Haus an der Grenze zu Dänemark. Aufgrund hoher Verbraucherkosten wurde ihnen die Miete zu teuer. Also musste das junge Paar selbst ran. Eine zusätzliche Dämmung führte zur Energieersparnis – und auch dazu, dass sie als Mieter und sogar ihre Vermieter Geld sparten.
Seitdem begleitet die Nachhaltigkeit sie auf ihren weiteren Stationen bis nach München. Und das auch beruflich: Werner Maaß arbeitet beim Verband für Industrie in Berlin im Bereich Ressourceneffizienz. Jede Woche sieht er in deutschen Fabriken, wie sehr sich solche Energieeffizienzmaßnahmen lohnen. Gabriele Schmidt-Maaß – im Gesundheitswesen tätig – betrifft das Thema ebenfalls: Ein schonender Umgang mit Ressourcen sei doppelt gesund – fürs Klima und den Menschen an sich.
Für sie sind Effizienzmaßnahmen deshalb mehr als nur Ersparnis. Sie sagt: „Energieeffizienz ist eine Grundhaltung.“ Laut dem Umweltbundesamt ist der Energieverbrauch deutscher Haushalte nach wie vor der größte Posten bei den CO2-Emissionen. „Da kann jeder ganz viel tun“, sagt Schmidt-Maaß. „Ob nachhaltige Mobilität, Vermeidung von Plastik oder eben Energiesparen in den eigenen vier Wänden: Jede Veränderung fängt bei einem selbst an.“
Das vermitteln sie auch anderen. „Wer heute nichts an seinem Haus macht, handelt nicht wirtschaftlich“, sagt Werner Maaß. Denn mit jeder Maßnahme schaffe man einen Mehrwert. Modernisierung statt Sanierung, so nennt Maaß das. Beratung und Förderung seien heute außerdem viel besser als früher. Sowohl der Bund als auch die Verbraucherzentrale leisten Unterstützung. „Einfach mal machen“, findet das Ehepaar Maaß daher.
Wenn die Sonne scheint, können sie entspannt auf ihrer Terrasse sitzen und am Tablet mit ansehen, wie die Energiespeicher sich füllen. Ihre Batterie zeigt an diesem Samstag immer noch 90 Prozent an. Und selbst wenn die Sonne sich einmal nicht blicken lässt: Der nächste Vollmond kommt bestimmt.