Neuseelands Premierministerin Jacinda Ardern zieht nach dem Anschlag auf eine Synagoge in Halle Vergleiche zum Attentat auf zwei Moscheen in Christchurch mit mehr als 50 Opfern. In beiden Fällen wollten die Täter die Angriffe live in sozialen Netzwerken veröffentlicht sehen. „Nach dem 15. März in Christchurch war uns sehr wohl bewusst, dass es durchaus wahrscheinlich ist, dass sich diese Art von Streaming eines so schrecklichen Ereignisses wiederholen könnte“.
Nach dem Anschlag befindet sich Halle nach den Worten von Oberbürgermeister Bernd Wiegand in einem Schockzustand. „Die Bevölkerung kann das kaum verarbeiten“, sagte Wiegand im ZDF. Er betonte, dass seine Stadt „kein rechtsextremes Zentrum“ sei. „Halle ist bunt und vielfältig. Wir gehen konsequent gegen rechts vor.“
Zehntausende Internetnutzer haben den Angriff auf eine Synagoge und den Mord an zwei Menschen auf Video gesehen – im Internet. Der Angreifer filmte seine Tat mit einer Helmkamera und übertrug sie in Echtzeit auf die Streamingplattform Twitch. Seit 2014 gehört sie dem Internet-Riesen Amazon. Täglich nutzen 15 Millionen Nutzer die Plattform – hauptsächlich zum Abspielen von Videospielen. Auf Twitch ist das Tat-Video nicht mehr abrufbar. Das Unternehmen löschte es, nachdem fünf Nutzer die Tat live verfolgt und 2200 weitere eine Aufzeichnung des Videos gesehen hatten. Die Weiterverbreitung konnte Twitch indes nicht stoppen.
Die Migrationsbeauftragte der Bundesregierung, Annette Widmann-Mauz (CDU), hat eine Sonderkabinettsrunde gefordert. „Wir brauchen ein Sonderkabinett des Zusammenhalts und gegen Rassismus, gegen Antisemitismus und Menschenfeindlichkeit“, sagte die Staatsministerin im Bundeskanzleramt.
Der frühere SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel hat die Ermittlungsarbeit nach dem Angriff heftig kritisiert. „Wäre das ein Anschlag von links gewesen, würden jetzt hunderte Wohnungen und Organisationen durchsucht“, schrieb der SPD-Bundestagsabgeordnete auf Twitter. „Wann endlich zeigt der demokratische Rechtsstaat seine Zähne und entwaffnet diese Brut?“, fragte Gabriel.