Was über die beiden Opfer bekannt ist

von Redaktion

Jana L. und Kevin S. – so heißen die beiden Menschen, die der Neonazi Stephan B. am Mittwoch erschossen hat. Die beiden Deutschen wurden nicht wegen ihrer Herkunft oder ihres Glaubens Opfer von Stephan B.s Fremdenhass. Sondern aus Zufall.

Der Täter streamt live im Netz, wie er sie tötet. In dem Video ist zu sehen, wie er seinen Wagen vor der Synagoge parkt und versucht, die Tür mit Schüssen und Sprengsätzen zu öffnen. Vergeblich. In diesem Moment kommt Jana L., 40. Roter Pullover, Regenjacke, Brille und Rucksack. Sie sieht das Auto, das den Gehweg blockiert und spricht ihn verärgert an: „Muss ich denn jetzt hier langgehen?“ Als sie auf die Straße wechselt, schießt Stephan B. ihr viermal in den Rücken.

Die Frau aus Halle hatte eine Leidenschaft: mit selbstgemalten Plakaten auf Schlagerkonzerte gehen und Autogramme der Stars ergattern. Dafür war sie nicht nur bei Freunden, sondern auch bei ihren Idolen bekannt. Der Trompeter Stefan Mross etwa schreibt auf Facebook: „Der Amoklauf in Halle hat uns unseren treusten Fan aus Halle genommen…“ Auch ihre Freunde trauern im Netz, schreiben etwa, dass sie Jana L. „als Frohnatur in Erinnerung behalten“.

Als Stephan B. sie tötet, schießt er sich in einen eigenen Autoreifen. Zu Fuß geht er mit dem Gewehr zu einem Döner-Laden. Er schießt zweimal. Eine Person flüchtet in den Imbiss, er folgt ihr. Dort steht Kevin S. hinter einem Kühlschrank. Er fleht um sein Leben. Stephan B. erschießt ihn.

Kevin S. wurde nur 20 Jahre alt. Auch er war Teil einer Fangemeinde. Der Merseburger war Mitglied des Drittligisten Hallescher FC, fuhr bei Auswärtsspielen oft in Fanbussen hinterher. Bei dem Spiel gegen Aue traten die HFC-Spieler am Donnerstag mit Trauerflor an. „Wir stehen alle noch unter Schock“, sagt HFC-Präsident Jens Rauschenbach. Die HFC-Fankurve nennt die Tat auf Facebook „einen feigen Anschlag“. Und fügt hinzu: „Er war ein Teil der HFC-Familie.“ KATHRIN BRAUN

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