HINTERGRUND

Systematische Jagd auf die „Feinde des Sozialismus“

von Redaktion

„Stasi“ steht für Staatssicherheit, womit das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) der DDR gemeint ist. Das Ministerium wurde am 8. Februar 1950 gegründet, also bereits elf Jahre vor dem Mauerbau. Sein prominentester Chef war von 1957 bis 1989 Erich Mielke. Das MfS sei unter direkter Anleitung des sowjetischen Geheimdienstes im Zuge der Gründung der DDR aufgebaut worden, erläutert die Behörde für die Stasi-Unterlagen, die die nach dem Mauerfall geretteten Akten heute verwaltet.

Das Ministerium für Staatssicherheit war für die Sozialistische Einheitspartei (SED) von zentraler Bedeutung zum Erhalt der Macht. Das MfS war Geheimpolizei, Ermittlungsbehörde und Auslandsnachrichtendienst und unterlag allein der Kontrolle durch die SED-Spitze. Eine zentrale Aufgabe war es, „Systemfeinde“ aufzuspüren. Dafür wurde ein Netzwerk aufgebaut mit am Ende ca. 91 000 hauptamtlichen Mitarbeitern – die selber permanent auf Linientreue überprüft wurden.

Das MfS nutzte zudem ein Heer an sogenannten inoffiziellen Mitarbeitern, kurz IM. Diese Informanten arbeiteten verdeckt mit der Staatssicherheit zusammen und bespitzelten unter dem Tarnmantel des Normalbürgers ihr soziales Umfeld. Die Informationen reichten sie direkt an die „Stasi“ weiter.

Wer als Systemfeind in Verdacht geriet, wurde gesellschaftlich und beruflich isoliert. Das MfS nutzte dafür meist die Mittel der Manipulation und Gerüchte. Personen und Gruppen, schreibt die Stasi-Unterlagen-Behörde, seien systematisch verunsichert, in Verruf gebracht und kriminalisiert worden. „Freundschaften wurden zerstört, berufliche Laufbahnen zunichte gemacht, ohne dass die Betroffenen die Hintergründe erkennen konnten.“ Inoffizielle Mitarbeiter galten der Staatssicherheit als Hauptwaffe im Kampf gegen die „Feinde des Sozialismus“.

Nach dem Mauerfall konnten Millionen von Stasi-Akten gerettet werden. Etwa 111 Kilometer an Akten umfasst das Archiv – Dokumente über bespitzelte Bürger, Fotos, Videos, Tonaufnahmen. Die von Roland Jahn geleitete Behörde soll die Akten bewahren und auswerten. Bürger können bei der Behörde erfragen, ob sie bespitzelt wurden, öffentliche Stellen Auskunft über eine mögliche Stasi-Vergangenheit von Personen bekommen.

Im September hat der Bundestag beschlossen, die Akten in naher Zukunft in das Bundesarchiv zu überführen und dort weiter zu verwalten. Es gibt noch viel zu tun. Bisher sind erst zwei Prozent der Akten digital erfasst. Die Stasi-Unterlagen-Behörde beschäftigt derzeit rund 140 Mitarbeiter.  wha

Artikel 3 von 4