Eine tückische Krankheit – so erkennt man Hautkrebs frühzeitig

von Redaktion

Die ABCDE-Regel ist eine Art Checkliste zur Ersteinschätzung von Muttermalen – besonders gefährdet sind Menschen mit hellem Teint

München – Professor Dr. Christian Kunte und sein Ärzte-Team operieren in der Artemed-Fachklinik etwa 3500 Patienten pro Jahr. Die Villa an der Theresienwiese in München ist das größte Behandlungszentrum für Haut- und Venenerkrankungen im süddeutschen Raum. Chefarzt Kunte, der aus Unterhaching stammt, gilt als einer der erfahrensten Chirurgen auf diesem Gebiet in Deutschland. Ende dieser Woche leitet der 51-Jährige die Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Dermatochirurgie. In unserer Zeitung erklärt er die Erkrankung.

Warum ist Hautkrebs besonders tückisch?

Beim schwarzen Hautkrebs (malignes Melanom) besteht die größte Gefahr darin, dass er früh streuen kann – und zwar meistens über die Lymphbahnen. Prof. Kunte: „Vereinfacht erklärt muss man sich die Lymphknoten vorstellen wie Filterstationen. Wenn diese Filter von Krebszellen befallen sind, laufen sie irgendwann über. Dann werden die bösartigen Zellen ungebremst durch die Lymphbahnen in andere Organe geschwemmt und bilden dort Tochtergeschwülste.“ Letztere heißen in der Fachsprache Metastasen.

Erschwerend kommt hinzu, dass Melanom-Patienten ein erhöhtes Risiko haben, an weiteren Tumorarten zu erkranken. In Deutschland sterben jährlich etwa 3000 Patienten an schwarzem Hautkrebs und den Folgen.

Andererseits berichtet Prof. Kunte von „einem ermutigenden Quantensprung“ bei der Therapie: „Wenn schwarzer Hautkrebs in einem frühen Stadium mit geringer Tumordicke entdeckt wird, ist er sehr häufig heilbar. Auch bei fortgeschrittenem Verlauf können wir heute besser helfen. Viele Patienten leben inzwischen wesentlich länger mit der Erkrankung als früher. Das haben wir neuartigen Therapien zu verdanken, unter anderem auf der Basis von Antikörpern.“

Im Gegensatz zum Melanom verursacht der helle Hautkrebs zwar keine Metastasen, mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit stirbt man daran nicht. Trotzdem können die Folgen der Erkrankung verheerend sein. „Diese Karzinome können unter der Haut eine Art Wurzelgeflecht bilden und weiterwuchern“, erklärt Professor Kunte. „Sie können umliegendes Gewebe zerstören und in Knorpel und Knochen einwachsen. Nicht selten verlieren die Patienten Teile von Ohr oder Nase oder gar ein Auge, mitunter werden großflächige Hautoperationen und -verpflanzungen erforderlich, vor allem im Gesicht.“

Wie erkennt man Hautkrebs?

Für die Alarmsignale von schwarzem Hautkrebs gibt’s eine Art Checkliste – die so genannten ABCDE-Regel zur Ersteinschätzung von Muttermalen. Wenn eine der folgenden Auffälligkeiten beim Patienten zutrifft, sollte er seinen Leberfleck rasch einem Hautarzt zeigen:

A wie Asymmetrie: Ein neuer dunkler Hautfleck ist ungleichmäßig geformt – das heißt: nicht gleichmäßig rund, sondern unregelmäßig.

B wie Begrenzung: Der Leberfleck hat verwaschene, unscharf begrenzte Ränder: Seine Konturen sind zur Umgebung nicht klar abgrenzbar.

C wie Colorierung (englisch für Farbe): Die suspekte Hautstelle weist unterschiedliche Färbungen, hellere und dunklere Flecken in einem Mal auf: Achten Sie auf einen Fleck, der nicht gleichmäßig in der Farbe, sondern vermischt ist mit Rosa, Blau, Grau oder schwarzen Anteilen. Krustige Auflagen sind ebenfalls ein Alarmsignal.

D wie Durchmesser: Der Leberfleck ist an der breitesten Stelle größer als einen halben Zentimeter.

E wie Entwicklung: Das Muttermal wächst schnell (innerhalb von sechs Wochen) und/oder bildet eine Beule. Im Gegensatz zum Melanom zeigt heller Hautkrebs anfangs meist etwas andere Symptome. „Es kann mal ein kleines Knötchen sein oder auch nur ein kleiner roter Fleck, der kaum anders ausschaut wie ein Pickel“, so Prof. Kunte. „Typisch ist, dass eine Hautstelle beim Abtrocknen nach dem Duschen zu bluten anfängt. Sie heilt zwar relativ schnell ab, blutet aber nach zwei, drei Wochen erneut.“

Wer ist besonders gefährdet?

Grundsätzlich alle, die zu oft und zu lange ungeschützt in die Sonne gehen. Häufige Sonnenbrände sind besonders schädlich, gerade bei Kindern. Menschen hellen Hauttyps haben ein fünfmal so hohes Risiko wie Menschen mit dunklem Teint. Auch die erbliche Veranlagung kann eine Rolle spielen.

Wie kann man vorbeugen?

Entscheidend ist, bei Hautveränderungen rasch zum Arzt zu gehen. Zudem haben gesetzlich Versicherte alle zwei Jahre Anspruch auf ein Hautkrebs-Screening. Dabei sucht ein Hautarzt den gesamten Körper auf verdächtige Muttermale ab. Prof. Kunte empfiehlt, einmal jährlich zur Kontrolle zu gehen – auch, wenn sie die Untersuchung selbst bezahlen müssen: „Dieses Geld ist gut investiert.“ Wie stellt der Hautarzt die Diagnose Hautkrebs? Er untersucht die betroffene Stelle mit einer speziellen Lupe. Im Zweifel nimmt er eine kleine Gewebeprobe (Fachbegriff Biopsie), die im Labor untersucht wird.

Welche Behandlungen gibt es?

„Nach wie vor ist es entscheidend, dass der Tumor so früh wie möglich entfernt wird – in den meisten Fällen operativ“, erläutert Prof. Kunte. Dabei wenden die Spezialisten die „lückenlose Schnittrandkontrolle“ an. Hinter dem etwas sperrigen Fachbegriff verbirgt sich ein relativ simples Kontroll-Prinzip: Der Tumor wird mit einem schmalen Saum von mutmaßlich gesundem Gewebe entfernt, um sicherzustellen, dass der Operateur auch wirklich alle Krebszellen erwischt hat. Dieser „Schnittrand“ wird binnen eines Tages im Labor untersucht, die Wunde bleibt solange offen. Wenn die Probe „sauber“ ist, wird die Wunde zugenäht. Sind Krebszellen im Schnittrand gefunden worden, muss der Operateur erneut zum Messer greifen. „Während der OP kann man Krebszellen nicht mit bloßem Auge oder einer Lupe erkennen“, erläutert Professor Kunte. „Deshalb kommt es öfter vor, dass Patienten nachoperiert werden müssen – manchmal mehrfach.“

Bei hellem Hautkrebs bleibt den Patienten mitunter das Skalpell erspart. Wenn der Tumor eher klein, oberflächlich und an vergleichsweise unkritischen Körperstellen wie beispielsweise den Armen sitzt, dann kann man ihn auch ohne OP bekämpfen: mit speziellen Salben, Laserverfahren oder mit der Kryotherapie, einer speziellen Vereisungstechnik. Dabei sprüht der Arzt fünf bis acht Sekunden lang minus 196 Grad kalten flüssigen Stickstoff auf den Krebsherd. Die Zellen frieren ein. Wenn die Zellen wieder auftauen, platzen sie – und der Tumor stirbt ab. A. BEEZ

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