Die Deutschen machen einen Glückssprung

von Redaktion

30 Jahre nach dem Mauerfall ist die Nation zufrieden wie lange nicht – Bayern freuen sich über höchstes Einkommen

Berlin – „Glück besteht aus einem hübschen Bankkonto, einer guten Köchin und einer tadellosen Verdauung.“ Diese Definition stammt, man ahnt es, von einem Franzosen. Und zwar von Jean-Jacques Rousseau. Deutsche Denker waren da verdrießlicher: „Gott, was ist Glück? Eine Grießsuppe, eine Schlafstelle und keine körperlichen Schmerzen, das ist schon viel“, sagte Theodor Fontane.

Die Deutschen gelten weltweit nicht gerade als die Glücksexperten: Effizienz, Sauberkeit und Ordnung, das sind eher Eigenschaften, die ihnen international zugeordnet werden. Im seit 2012 jährlich veröffentlichten „Weltglücksreport“ lag die Bundesrepublik in den vergangenen drei Jahren trotz guter wirtschaftlicher Daten lediglich auf den Plätzen 15 bis 17. Doch glaubt man dem gestern in Berlin vorgestellten „Glücksatlas“ der Deutschen Post, sind die Deutschen so glücklich wie zuletzt 1989. Das Lebensglück liegt auf einer Skala von 0 bis 10 bei 7,14 Punkten. Im Jahr zuvor betrug der Wert 7,05.

30 Jahre nach dem Fall der Mauer ist das ostdeutsche Glücksniveau sogar auf das Allzeithoch von 7,0 Punkten gestiegen, den höchsten Wert seit der friedlichen Revolution. Nach Ansicht des Freiburger Ökonomen Bernd Raffelhüschen, der die Studie vorstellte, liegt das vor allem an einer guten Einkommenssituation. „Wir sind die reichsten Deutschen, die jemals in Deutschland gelebt haben.“ Und an stabileren Familienkonstellationen – die Scheidungsraten gehen zurück, sagt Raffelhüschen, der Glück im Sinne von Zufriedenheit interpretiert. Er meint: „Wir sind kein Jammertal!“

Schon Griechen und Römer haben dicke Wälzer zum Thema Glück gewälzt. Die UNO, die den 20. März zum jährlichen Weltglückstag ernannt hat, nennt einfache Grundbedingungen für Glück: mindestens 2500 Kalorien und 100 Liter Wasserverbrauch am Tag, mindestens sechs Quadratmeter Wohnraum, ein Platz zum Kochen sowie sechs Jahre Schule. Im dazu gehörenden „World Book of Happiness“ zählen 100 Forscher allerdings weitere Faktoren auf: Neben stabilen Beziehungen und Gesundheit sind das ein angemessener Beruf, Freunde, Kinder und Geld fürs Nötigste.

Reichtum allein hilft nur begrenzt: Mit steigendem Wohlstand wächst Glück nicht immer weiter. Glücksforscher Stefan Klein betont in seinem Buch „Die Glücksformel“, dass Lotteriegewinner sechs Monate lang auf Wolke sieben leben, dann jedoch genau so glücklich oder unglücklich sind wie vorher.

Umstritten ist, ob man selber zum Glück beitragen kann: Manche Forscher argumentieren, es sei genetisch festgelegt, ob man ein Glas als halb voll oder als halb leer ansieht. „Dein Glück hängt von den guten Gedanken ab, die du hast“, meinte demgegenüber der römische Kaiser Marc Aurel. So ähnlich argumentieren auch aktuelle „Glücks“-Ratgeber. Ihre Botschaft: Glück kann man wie ein Handwerk lernen, positive Gedanken trainieren.

Dieser Ansicht ist auch Raffelhüschen, der erklärt, darin seien vor allem die Menschen in Schleswig-Holstein Spitze. Sie seien am glücklichsten – was womöglich an ihrer Nähe zu Skandinavien liegen könnte, wo die weltweit glücklichsten Menschen leben sollen.

Aber auch die Bayern sind erfolgreiche Glückskinder – in der deutschen Glückstabelle liegen sie auf Rang 5, außerdem sind sie mit ihrer Arbeit besonders zufrieden und sie verfügen mit 24 963 Euro über das höchste durchschnittliche Einkommen – weit vor den zweitplatzierten Baden-Württembergern. Oder um es mit dem berühmten bayerischen Glückssucher und Münchner Pferdehändler Franz Xaver Krenkl zu sagen: „Wer ko, der ko.“  sts/kna

Artikel 4 von 4