So alt werden Sie – statistisch gesehen

von Redaktion

Die Deutschen werden laut Statistik immer älter. Aber die Lebenserwartung steigt langsamer als noch vor zehn Jahren. Woran liegt das?

München – Kleiner Exkurs zu Beginn: Der berühmte und haarige Fernseh-Außerirdische Alf stammt ursprünglich vom Planeten Melmac, der explodiert ist, weil möglicherweise alle Bewohner gleichzeitig den Föhn angemacht haben. Das ist traurig – und kurios. Noch kurioser ist, dass alle Bewohner von Melmac ihren Sterbetag kennen.

Bei Menschen ist das – ein Glück – nicht so. Menschen haben dafür Statistiken, sogenannte Sterbetafeln, auf denen man seine errechnete Lebenserwartung nachlesen kann (siehe Grafik). Gestern hat das Statistische Bundesamt die neuesten Zahlen veröffentlicht. Neugeborene Mädchen werden im Schnitt 83,3 Jahre alt, neugeborene Buben 78,5 Jahre. Die Lebenserwartung hat sich damit ganz leicht im Vergleich zur letzten Erhebung erhöht.

Allerdings beobachten die Statistiker insgesamt einen Trend zu einem langsameren Anstieg. Die Entwicklung sei kaum verwunderlich, sagt Thomas Lampert, Experte vom Robert-Koch-Institut. „Mittlerweile werden wir doch sehr alt. Unser Organismus ist so programmiert, dass es nicht immer so weitergehen kann.“ Aber es gibt auch ganz konkrete Gründe. So habe es in den 1990er-Jahren gerade im Osten einen Zugewinn an Lebenszeit gegeben. Durch die Angleichung, etwa bei der medizinischen Versorgung nach Schlaganfällen oder Herzinfarkten, sei die Lebenserwartung auf West-Niveau gestiegen. „Diese Dynamik hat es in den vergangenen Jahren nicht mehr gegeben“, sagt Lampert. Eine weitere Ursache ist die Grippewelle: „Wir hatten gerade in den letzten Jahren relativ viele Grippetote, das wird immer etwas unterschätzt.“

Wie alt wir werden, hängt aber auch vom Bundesland ab, in dem wir leben. So haben Frauen in Baden-Württemberg aktuell mit 84,1 Jahren sowie dort lebende Männer mit 79,7 Jahren nach wie vor die höchste Lebenserwartung bei der Geburt. Bayern liegt auf Platz zwei. Neugeborene Mädel werden fast ein halbes Jahr älter als im Bundesschnitt. Das ist aber alles noch kein Vergleich zu Alf – er landete im jugendlichen Alter von 230 auf der Erde. Keine Sterbetafel dieser Welt ist darauf vorbereitet. STEFAN SESSLER

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