Der Neue: Hainer ist nur ein bisschen Hoeneß

von Redaktion

München – „Haken dran, ja!“ – das hat Uli Hoeneß schon vor acht Jahren gesagt, als er auf einen möglichen Nachfolger Herbert Hainer angesprochen wurde. Damals aber war sich der scheidende Präsident des FC Bayern sicher, dass er diesen Haken an diese Personalie nie setzen werde. Hainer, von 2001 bis 2016 Vorstandsvorsitzender der Adidas AG, saß fest im Sattel und Hoeneß prognostizierte: „Es wird nicht gerade der Wunsch seiner Träume sein, Bayern München zu führen.“ Man sieht: Auch ein Uli Hoeneß kann sich mal täuschen.

Heute Abend wird es also anders kommen. Herbert Hainer gibt sich freilich noch zurückhaltend („ich muss erst mal gewählt werden“), es steht aber außer Frage, dass der 65-Jährige auf dem Podium der Olympiahalle die 37. Antrittsrede eines Präsidenten beim FC Bayern halten wird. Schon bei dieser ersten Amtshandlung wird man sehen und hören, dass der studierte Betriebswirt zwar ein guter Freund von Hoeneß ist, sein Wirken aber anders versteht als der Mann, der ihn verpflichtet hat. Hainer ist Technokrat, ein Boss mit klaren Vorstellungen. Aber er ist dabei nicht mal halb so laut und raumnehmend wie der Vorgänger, der große Fußstapfen hinterlässt.

Karl Hopfner kennt Hainer schon Jahrzehnte und sagt: „Er ist ein guter Mann, er passt einfach gut rein.“ Der einstige Präsident lobt Hainers „Ehrlichkeit und seine Gradlinigkeit, sein fachliches Wissen, seine wirtschaftliche Kompetenz, sein Netzwerk“. Zwei Tage pro Woche hat Hainer bereits zuletzt für Gespräche an der Säbener Straße verbracht, mit Abteilungsleitern jeglicher Sparten wohlgemerkt. Hainer weiß um die Wichtigkeit des Fußballs, will aber ein „Präsident für alle“ sein. Nicht jedes Spiel will er kommentieren – auch wenn er sich auskennt.

Zur Profi-Karriere hat es trotz einer beachtlichen Tor-Ausbeute in der Jugend des FC Dingolfing nicht gereicht, Hainer biss sich daher neben dem Platz durch. Wie Hoeneß stammt er aus einer Metzger-Familie, Geschäftssinn ist ihm in die Wiege gelegt. Aus Dornwang – heute Teil der 5000-Seelen-Stadt Moosthenning bei Dingolfing – ging es über einen Abstecher als Kneipier schnell in die Welt der Wirtschaft, mit 32 Jahren zu adidas. Als er dort aufhörte, hatte sich der Umsatz verdrei- und der Gewinn verfünffacht.

Bei Bayern sieht Hainer es als seine Aufgabe, „die Balance zwischen Tradition und Moderne zu erhalten“. Hoeneß wird er dabei um Rat fragen, „eine Standleitung“, sagt Hopfner, „wird es aber an den Tegernsee nicht geben“. Seinen eigenen Stil zu prägen, ist als erster Boss nach Hoeneß keine leichte Aufgabe. Aber Hainer sieht den Job doch als „Wunsch seiner Träume“. Er war zwar überrascht, brauchte aber nur kurz Bedenkzeit, als Hoeneß ihn vor einem Jahr fragte, ob er Lust habe. HANNA RAIF

Artikel 2 von 3