In sieben Schritten zum Männer-TÜV

von Redaktion

Heute ist internationaler Männertag – mitten im Männer-Vorsorgemonat „Movember“. Ein guter Anlass, sich mal wieder durchchecken zu lassen. Worauf man(n) im Alltag achten sollte? Eine Anleitung in sieben Kapiteln.

Gehirn und Psyche

Bewegung hält uns auf Trab: Geistig und emotional, das ist wissenschaftlich belegt. Wer seine grauen Zellen aktivieren will, macht also Sport – mindestens zehn Minuten täglich intensiv trainieren. Beim Sport schüttet unser Körper auch Glückshormone aus, unter anderem Endorphine – sie lassen uns entspannen, vertreiben Ängste und lindern sogar Schmerzen. Wie wichtig es ist, sein Gehirn zu trainieren, belegen Zahlen: Schätzungen zufolge gehen schon ab dem 45. Lebensjahr täglich rund 50 000 Gehirnzellen zugrunde. Beste Gegenmaßnahme: Bewegung und, natürlich, geistige Herausforderungen. So kann unsere Steuerzentrale neue Verknüpfungen zwischen Nervenzellen bilden – und damit etwa bestimmten Demenzformen vorbeugen.

Herz-Kreislauf-System

Herz ist Trumpf, daran besteht kein Zweifel. Dr. Christoph Pies, Autor des Buches „Männer-TÜV“ (siehe Interview), sagt: „Man kann mit wenig Hirn durchs Leben steuern. Aber nicht ohne Herz.“ Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind in Deutschland Todesursache Nummer 1, vor Krebs. 20 Prozent mehr Männer als Frauen sterben daran – insbesondere vor dem 65. Lebensjahr. Zwei der gefährlichsten Risikofaktoren sind ein zu hoher Cholesterinspiegel und Übergewicht. Deshalb sollte man ab dem 35. Lebensjahr alle drei Jahre den Gesundheits-Check-up beim Hausarzt machen lassen – und dabei den Cholesterinspiegel, Blutzucker und Blutdruck messen lassen. Übrigens: Erektionsstörungen können ein erster Hinweis auf Arteriosklerose sein, denn die Blutgefäße im Penis verengen sich besonders früh. Experten sprechen hier von der „Wünschelrute des Herzens“. Auch Grippe kann aufs Herz gehen – ab 60 steht daher die Influenza-Impfung einmal pro Jahr an. Und: Ab 65 ein Ultraschall, der prüft, ob die Bauchschlagader erweitert ist.

Verdauungstrakt

Rund 33 000 Männer bekommen pro Jahr die Diagnose Darmkrebs – neun von zehn Betroffenen nach dem 55. Lebensjahr; rund die Hälfte ist über 70. Die größten Risikofaktoren sind Übergewicht, unausgewogene Ernährung mit viel rotem Fleisch (vom Schwein und Rind) und wenig Ballaststoffen, Rauchen sowie ein erhöhter Alkoholkonsum. Auch Erbanlagen spielen eine entscheidende Rolle; wer Darmkrebs in der Familie hat, dessen Risiko ist doppelt so hoch wie das von Menschen ohne diese familiäre Vorbelastung. Aber: Früh erkannt lässt sich Darmkrebs gut therapieren. Das Tückische: Dieser Krebs verursacht lange keine Beschwerden. Umso wichtiger ist die Vorsorge. Ab 50 lässt man entweder einmal jährlich einen Test auf verstecktes Blut im Stuhl machen. Oder, besser, eine Darmspiegelung: Hier können „Polypen“, also Krebsvorstufen, festgestellt und sofort entfernt werden.

Genitalsystem

Ein kleines Organ kann großen Ärger verursachen: Die Prostata ist etwa so groß wie eine Kastanie. Und – jetzt wird es etwas kompliziert: Sie befindet sich hinter dem Schambein, unterhalb der Blase, auf dem Beckenboden, vor dem Enddarm, und sie umschließt dabei ringförmig die Harnröhre. Die meisten Männer befassen sich mit diesem Organ allerdings erst, wenn es Probleme bereitet – etwa beim Wasserlassen. Das passiert, wenn die Prostata wächst; bei fast jedem zweiten Mann geht das schon ab etwa 40 los, wenn auch langsam. Sofern es sich um eine gutartige Prostatavergrößerung handelt, ist das nicht dramatisch. Aber nicht jede Vergrößerung ist „gut und artig“, wie Experte Pies, selbst Urologe, warnt. Es kann auch Krebs sein. Daher ist die Prostata-Vorsorge ab 45 ein Muss. Konkret heißt das: einmal pro Jahr eine körperliche Untersuchung mit Abtasten von Leistenregion, Penis, Hoden und Prostata. Manchmal macht auch ein PSA-Test, ein Bluttest, Sinn – ob, klärt man am besten mit dem Arzt.

Harntrakt

Nierensteine sind eine Zivilisationskrankheit. Die beste Therapie: „Saufen und Laufen“, rät Dr. Pies. Sprich: Trinken Sie so viel – am besten Wasser –, sodass Sie mindestens 1,5 bis 2 Liter Urin pro Tag ausscheiden. Das Thema Bewegung hatten wir ja schon. Dazu nur so viel: Es ist längst bekannt, dass Fettleibigkeit die Nieren schädigt – in den vergangenen 30 Jahren hat sich die Zahl solcher Schädigungen aufgrund von Übergewicht sogar verzehnfacht. Ein Nierenversagen kann zum Tod führen. Wer an einer solchen Insuffizienz leidet, dem bleibt nur die Dialyse, eine regelmäßige, stundenlange Blutwäsche. Und die Hoffnung auf ein Spenderorgan. Denn Dialyse bedeutet stets „lebenslänglich“.

Haut und Haare

Die Haut ist das größte Organ unseres Körpers – ihre Fläche beträgt bei einem erwachsenen Mann etwa zwei Quadratmeter. Haut und Haare sind wie ein schützendes Fell für unsere Organe. Umso wichtiger, dass dieses Fell intakt bleibt. Deshalb raten Experten: Nehmen Sie ab 35 alle zwei Jahre das sogenannte Hautkrebs-Screening wahr. Denn unsere Haut vergisst nichts – nicht mal die Sonnenbrände aus der Kindheit. Und noch was zu den Haaren, zu denen natürlich auch Barthaare zählen: Wussten Sie, dass im Bart mehr Bakterien leben als im Fell von Hunden …?

Bewegungsapparat

Bewegung ist die beste Medizin. Insbesondere für unsere Muskeln und Knochen. „Wer sich nicht oder zu wenig bewegt, wird früher gebrechlich als andere“, sagt Sportmediziner Prof. Martin Halle von der Technischen Universität München. Denn: Wer nicht aktiv sei, baue Muskeln ab – und Fett auf. Dadurch steige unter anderem das Risiko für Diabetes, Herzinfarkt und Schlaganfall. Entscheidend ist auch: „Wer mehr Muskeln hat, hat dichtere, stabilere Knochen“, erklärt Halle. Im Alter schützt das etwa vor gefährlichen Stürzen. Sein Experten-Tipp: regelmäßiges Krafttraining – mindestens zweimal die Woche. Je früher, umso besser. TEXT: BARBARA NAZAREWSKA GRAFIK: SEBASTIAN RAAB

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