5 FRAGEN AN
Winfried Karg ist Landesvorsitzender des Fahrgastverbandes Pro Bahn in Bayern. Der Verband vertritt die Interessen der Fahrgäste des öffentlichen Fern- und Nahverkehrs. Eine davon ist die Reaktivierung stillgelegter Bahnstrecken.
Wo gibt es in Bayern die Möglichkeit, Bahnstrecken zu reaktivieren?
Es gibt in Bayern mehrere Strecken, wo die Gleise noch liegen und die Trassen vorhanden sind. Es stehen keine Häuser darauf und es müssen keine juristischen Schritte eingeleitet werden, da die Fläche tatsächlich für den Eisenbahnbetrieb vorgesehen ist – zum Beispiel die Bahnstrecke zwischen Wasserburg und Ebersberg, die rund vier Kilometer vor Wasserburg endet und wo die Schienen brach liegen.
Was sind die Probleme der Reaktivierung?
Ganz oft das Geld. Zudem gibt es Rangeleien um die Zuständigkeiten, wer das bezahlen soll. Der Bund, das Land, der Landkreis, die Kommune – jeder zeigt erst einmal mit dem Finger auf den anderen. Natürlich sind es zum Teil ordentliche Millionensummen, die es braucht, um die Strecken wieder herzurichten, aber die fließen in den Straßenbau auch. Nur da ist es halt geregelt.
Gibt es positive Beispiele reaktivierter Strecken?
Ja, zum Beispiel von Senden nach Weißenhorn. Die Strecke brummt. Das ist ein kleiner Abzweig von der Strecke Ulm-Memmingen, aber da fahren wirklich viele Leute, die dann das Auto stehen lassen. Und die dadurch auch schneller sind als mit dem Bus. Generell ist in Bayern aber sehr wenig reaktiviert worden. Andere Bundesländer wie Nordrhein-Westfalen oder Hessen haben auf reaktivierten Strecken Fahrgastzahlen, die zum Teil sehr hoch sind. Oft wurden die Zahlen, die zuvor von Gutachtern festgelegt wurden, bei Weitem übertroffen.
Die Nachfrage wäre da?
Ich weiß bundesweit von keinem Beispiel, das ordentlich gemacht war, bei dem die Zahlen nach einer Reaktivierung deutlich unter denen lagen, die der Gutachter vorhergesagt hatte.
Welche Ziele können durch die Reaktivierung erreicht werden?
Abgase vermeiden, Autoverkehr aus den Städten raushalten und Verbrennungsmotoren reduzieren. Die Eisenbahn ist von den technischen Gegebenheiten das motorisierte Verkehrsmittel mit den umweltfreundlichsten Bedingungen. Auch mit dem E-Auto löse ich nur das Abgas-, nicht aber das Stau-, Feinstaub- und Parkplatzproblem. Zudem erhöht die Bahn die Lebensqualität: Mobilität für alle.
Interview: Phillip Plesch