Händler verkauft keine Raketen mehr

von Redaktion

Landshut – Die Diskussion um die Silvesterböllerei hat auch den Einzelhandel erreicht. Reinhold Rogoll, Inhaber des Edeka-Markts in Essenbach bei Landshut, will heuer kein Silvesterfeuerwerk verkaufen: „Das haben mein Marktleiter Yusuf Tilfarlioglu und ich beschlossen.“ Als Gründe führt er den Tier- und Umweltschutz an. Rogoll: „Zum einen entsteht durch das Feuerwerk enormer Feinstaub, zum anderen bleibt am Tag danach überall der Böllermüll in den Straßen liegen.“ Ein besonderes Anliegen ist ihm der Tierschutz: „Für Hunde, Katzen und andere Tiere ist der Silvesterlärm eine enorme Belastung.“ Verschreckte Tiere würden oft von Autos überfahren. „Auch kleine Kinder haben Angst vor dem Silvesterkrach.“

Der Marktbesitzer weiß, dass er auf nicht unerheblichen Umsatz verzichtet. „Ich denke aber, dass die Kunden ihr Geld dann für etwas anderes ausgeben, vielleicht für das Silvesteressen.“ Außerdem wird Rogoll am 27. Dezember eine Futterbox aufstellen, wo man für ein Tierheim in Ergolding bei Landshut spenden kann. Rogoll hat den Verzicht mit einem Plakat im Supermarkt angekündigt, Tilfarlioglu postete auf Facebook. Rogoll: „Der Post wurde innerhalb eines Tages 300-mal geliked und 100-mal kommentiert, die Reaktionen sind vorwiegend positiv.“ Allerdings wird auch lebhaft diskutiert. Ein User schreibt sarkastisch: „Genau, meine Kinder sollen auf den Spaß verzichten!? Einmal im Jahr hält das jedes Tier aus! Da gibt es ganz andere Dinge, die viel schlimmer sind!“

Außerhalb Bayerns hatten schon 2018 die ersten Märkte auf Böller verzichtet: Es begannen ein Rewe in Adenauer (Rheinland-Pfalz) und ein Hagebaumarkt in Langenfeld bei Köln. Dieses Jahr schließen sich Edeka-Märkte in Neumünster (Schleswig-Holstein), Hamburg und Kiel an. Die Hornbach-Muttergesellschaft hat angekündigt, ab 2020 kein Feuerwerk mehr in 96 Märkten in Deutschland und 14 Märkten in Österreich verkaufen zu wollen. In den übrigen 47 Märkten in sieben europäischen Ländern sei Feuerwerk schon jetzt kein Thema mehr. J. WELTE

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