„Niemand fährt ungeschützt durchs Land“

von Redaktion

5 FRAGEN AN

Brigadegeneral Jürgen Brötz ist seit August 2019 deutscher Kontingentführer der Resolute-Support-Mission in Nord-Afghanistan. Brötz unterstehen jeweils mehr als 1000 deutsche und internationale Soldaten. Stationiert ist der gebürtige Limburger im Camp Marmal in Masar-i Scharif. Nach mehreren Missionen auf dem Balkan ist das sein erster Einsatz am Hindukusch. Im August wird er nach Deutschland zurückkehren. Der 56-Jährige ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Im Unterschied zum früheren ISAF-Einsatz in Afghanistan: Gibt es Veränderungen?

Ja. Im Unterschied zum ISAF-Mandat bis 2014, das eine Sicherheits- und Wiederaufbaumission unter Nato-Führung war, unterstützen und beraten wir jetzt bei der Ausbildung der afghanischen Sicherheitskräfte, wie dem Militär und der Polizei. Allein unsere Zielgruppe hier im Norden des Landes umfasst mehr als 45 000 Personen.

Wie ist die Sicherheits- lage?

Niemand von uns fährt ungeschützt durch das Land. Zudem wollen wir Bewegungen am Boden soweit es geht vermeiden. Daher gibt es viele Lufttransporte, um die Risiken zu minimieren.

Gab es schon einmal Anschläge auf Camp Marmal?

Es gibt Anschlagswarnungen, aber keine Anschläge. Die Infos bekommen wir aus den militärischen Netzwerken und aus spezifischen Nachrichtenübermittlungen. Eine Bedrohung ist durchaus vorhanden. Daneben gibt es immer mal wieder Beschüsse des deutschen Feldlagers Pamir in Kundus durch Raketen der Taliban.

Wenn jemand nach Afghanistan reisen will, was würden Sie raten?

Ich würde niemandem raten, überhaupt nach Afghanistan privat zu reisen. Und wenn es doch sein muss, sollten sie die Sicherheitsmaßnahmen beachten, wie zum Beispiel ihre Reise dem Auswärtigen Amt bekannt zu geben. Es gibt immer auch Touristen, die kommen, um Bergtouren zu unternehmen. Doch es gibt hohe Sicherheitsrisiken.

Sie leben in Berlin und kehren im August 2020 zurück. Wie geht Ihre Familie mit der langen Abwesenheit um?

Ich habe vorher meinen Einsatz mit der Familie besprochen. Sie konnten es gut aufnehmen. Eine regelmäßige Kommunikation ist möglich, wir chatten jeden Tag für mindestens zehn Minuten. Das klappt gut, zumal die technische Ausstattung dafür gegeben ist. Mindestens zehn Minuten pro Tag sollten alle Soldatinnen und Soldaten für die Familie zuhause aufwenden.

Interview: Sabine Ludwig

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