Der Zauber der Wahl
Im Politikjournalismus gibt es manchmal ein großes Missverständnis: Über Washington zu schreiben, sei weltbewegend, über Waging und Wolfratshausen unwichtig. Welch Irrtum, denn ein einziger Beschluss ihres Gemeinderates kann das Leben der Bürger vor Ort mehr verändern als alle bisher knapp 40 000 Tweets von Donald Trump. Womit wir beim Jahr 2020 wären: Da wählen wir Bayern nämlich Bürgermeister, Gemeinde- und Stadträte, Kreistage und Landräte. Auf diesen 15. März (und die Stichwahlen am 29. März) bin ich gespannt. In so vielen Orten wird es knapp: das Rennen zwischen CSU und Grünen in Miesbach, Starnberg, der Dreikampf ums bisher rote München … Weil die Bürger ihre Kreuzchen häufeln und verteilen können, ist die Kommunalwahl demokratischer, vielseitiger als alle anderen.
Also: Schaut aufs Lokale! Und, ja, natürlich ist Washington trotzdem aufregend, 2020 sogar immens: Die USA wählen im November. Trump kämpft, es wird ein schmutziges Duell werden gegen Wen-auch-immer von den Demokraten. Meine Sorge: Ein bizarrer Amtsinhaber überlebt eine Wahl manchmal nur dank eines noch schlechteren Gegenkandidaten – wie Brexit-Johnson neulich in London wegen des Totalversagers Corbyn.
Na dann, 2020, auf geht’s. Spüre ich riesige Vorfreude? Nein, aber große Neugier.