Im iranischen Staatsfernsehen ist bei staatlich organisierten Kundgebungen öfter die Rede von Millionen von Teilnehmern. Ernst nimmt das jedoch meist keiner. Bei der Trauerzeremonie für den bei einem US-Raketenangriff in Bagdad getöteten iranischen General Ghassem Soleimani in Teheran allerdings wurde dieses Mal nicht übertrieben. Bei den Trauerfeierlichkeiten für Soleimani stehen Anhänger und Gegner der iranischen Führung erstmals seit Jahren – wenn nicht Jahrzehnten – wieder in aller Öffentlichkeit Seite an Seite. „Das hat mit Politik nichts mehr zu tun – es war ein Schlag gegen einen von uns“, sagt der 26-jährige Student Ehsan stellvertretend für viele. Mit dem islamischen Regime hat Ehsan nichts am Hut, genauso wenig mit den Revolutionsgarden und der Al-Kuds-Einheit. „Aber so was regeln wir unter uns, die Amerikaner geht das nichts an.“
Noch im November prügelten sich Demonstranten und Regimeanhänger wegen der Erhöhung von Benzinpreisen zu Tode. Ein paar Wochen später trauern sie nicht nur gemeinsam, sondern wollen sich auch gemeinsam an den USA rächen. „Anders als von den Amerikanern gedacht, führte der Tod von General Soleimani zur Solidarität innerhalb der iranischen Bevölkerung“, sagt Präsident Ruhani. Auch Menschen, die eigentlich nichts gegen die USA und die Amerikaner haben, skandierten lautstark „Tod den USA“.