München – Es passierte auf einem Bürgeramt in Berlin. Polit-Aktivisten hatten mithilfe einer selbstlernenden Software zwei Passbilder „gemorpht“, also miteinander verschmolzen. Das eine Original zeigte eine Aktivistin von „Peng!“, einer Berliner Gruppe aus Künstlern, Aktivisten und auch Wissenschaftlern, das andere zeigte die italienische Politikerin Federica Mogherini, damals bei der Europäischen Union zuständig für Außen- und Sicherheitspolitik. Das gemorphte Bild zeigte eine Person, die es gar nicht gab, aber dennoch beiden ähnelte.
Der Plan der Aktivisten, mit dem Bild einen nagelneuen Reisepass zu bekommen ging auf. Der „Spiegel“ berichtete im September 2018 groß darüber. Zwar waren die Mitarbeiter der Passbehörde durchaus skeptisch, weil das Foto merkwürdige Schatten hatte, am Ende aber passierte das Bild die Prüfung – und die Aktivistin war im Besitz eines echten und doch gefälschten Reisepasses.
Morphing ist ein Effekt, wie er in der Film- und Videoindustrie schon länger zum Einsatz kommt. Eine Ur-Form zeigten die britischen Videoproduzenten Godley & Creme in ihrem preisgekrönten Musikvideo „Cry“, in dem sich Gesichter permanent in andere verwandeln. Seitdem hat sich technisch viel getan. Sogar Smartphones machen inzwischen qualitativ hochwertige Bilder und liefern gleich Apps dazu, mit denen man die Bilder nach Lust und Laune manipulieren kann. Auch die Kriminalistik nutzt Morphing, zum Beispiel bei der Suche nach vermissten Personen. So werden alte Fotos von schon länger vermissten Personen derart verändert, dass sie, so das Ziel, die Person so zeigen, wie sie heute vermutlich aussieht.
Bilder zu manipulieren, ist das eine. Das andere ist, die Fälschungen danach auch als solche zu erkennen – oder zu detektieren, wie Sicherheitsfachleute es nennen. „Eine Detektion von gemorphten Passbildern ist technisch nicht sicher möglich“, heißt es aus dem Bundesinnenministerium. Dies würden bei Grenzkontrollen aufgedeckte Fälle belegen. Das Antragsverfahren für einen Pass sei demzufolge nicht mehr sicher. „Weder technische Maßnahmen noch das geschulte Personal in den Bürgerämtern oder Urkundenexperten können innerhalb der für die Lichtbildprüfung vorgesehenen Zeit ein gemorphtes Bild sicher detektieren“, betonte ein Ministeriumssprecher gestern gegenüber unserer Zeitung. Das Festhalten am analogen Lichtbild sei deshalb nicht nur bürokratisch veraltet, sondern auch sicherheitstechnisch riskant. Der Gesetzgeber müsse reagieren, um national und international einem Vertrauensverlust in das Lichtbild in Ausweisdokumenten vorzubeugen. wha