„Die Engpässe liegen an anderer Stelle“

von Redaktion

5 FRAGEN AN

Der Verband bayerischer Wohnungsunternehmen (VdW) vertritt Genossenschaften und kommunale Wohnungsunternehmen. Sie schaffen zusammen drei Viertel der 4000 geförderten Wohnungen, die jährlich im Freistaat neu entstehen. Das ist immer noch viel zu wenig, findet Verbandsdirektor Hans Maier.

Herr Maier, was kann die geplante Reform der bayerischen Bauordnung zur Schaffung von bezahlbarem Wohnraum beitragen?

Sie kann dazu beitragen, die zuletzt exorbitanten Steigerungen der Baukosten einzubremsen. Und es gibt, so notwendig eine gründliche Prüfung auch ist, Fälle, in denen nicht nachvollziehbar ist, warum Bauanträge so lange liegen bleiben. Manchmal hat man den Eindruck, dass private Bauträger vorgezogen werden. Wir brauchen Verfahren, die jenen Unternehmen helfen, die günstige Wohnungen bauen. Da erachte ich die geplante Genehmigungsfiktion schon für richtig. Und es wird ja auch über neue Abstandsregelungen zu Nachbargrundstücken geredet. So könnte dichter gebaut werden.

Wird durch eine Verfahrensbeschleunigung auch mehr gebaut?

Die entscheidenden Engpassfaktoren sind andere. Einmal fehlt es an bezahlbarem Baugrund. Die Kommunen müssten den sozial orientierten Wohnungsunternehmen zweckgebunden Grundstücke für den Bau günstiger Mietwohnungen anbieten. Teure Wohnungen gibt es genug. Zum anderen wurde in der Vergangenheit einfach zu wenig gebaut. Deshalb fehlen Kapazitäten im Baugewerbe.

Was müsste passieren, damit mehr bezahlbare Wohnungen entstehen?

Es fehlt an finanzieller Förderung. Der Bund hat die Mittel für den sozialen Wohnungsbau für 2020 gegenüber heuer um eine halbe Milliarde Euro gekürzt. In Bayern kommen so 40 bis 50 Millionen Euro weniger an. Immerhin kürzt der Freistaat da derzeit nicht.

Wie viele neue Wohnungen bräuchte es jährlich?

Das Ziel von 70 000 neuen Wohnungen jährlich in Bayern ist insgesamt schon realistisch. Nur der derzeitige Anteil der geförderten Wohnungen ist mit 4000 zu gering. Es müssten meiner Meinung nach doppelt so viele sein.

Was könnte die Staatsregierung konkret tun?

Auch der Freistaat kann Grundstücke zur Verfügung stellen. Er hat jedoch nicht mehr so viele. Er muss sich aber auf Bundesebene dafür einsetzen, dass sich etwa über Änderungen beim Bodenschutzrecht oder bei DIN-Normen die Baukosten weiter senken lassen.  sr

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