HINTERGRUND

Wasserkraft war die Triebfeder der Wirtschaft

von Redaktion

Wasserreiche Bäche und Flüsse, ausreichend Gefälle: Wasserkraft hat in Bayern eine lange Tradition. So lassen sich erste Wassernutzungsanlagen bis ins frühe Mittelalter nachweisen. Das Lechkraftwerk der Papierfabrik in Schongau nahm bereits im Jahr 1390 seinen Betrieb auf. Musste die gewonnene Energie zunächst vor Ort direkt in Arbeit umgesetzt werden, eröffnete die Erfindung des elektrodynamischen Generators 1866 durch Werner von Siemens eine neue Möglichkeit der Wasserkraftnutzung – die Umwandlung in elektrischen Strom.

Als 1882 erstmals in Bayern elektrische Energie über knapp 60 Kilometer von Miesbach nach München transferiert werden konnte, wurde das Wasser zum Motor der wirtschaftlichen Entwicklung. Industrie- und Gewerbebetriebe mussten damit nicht mehr in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Wasserkraftanlagen errichtet werden.

Die Entwicklung unterschiedlicher Turbinentypen um die Jahrhundertwende und die von Oskar von Miller forcierte Elektrifizierung Bayerns sorgten für eine Blütezeit der Wasserkraftanlagen. So deckten 1926 rund 11 900 Anlagen den gesamten Strombedarf in Bayern. Inzwischen hatte auch an den großen Flüssen der systematische Ausbau der Wasserkraft eingesetzt. Zunächst war es technisch einfacher, das Wasser aus dem Fluss in einen Kanal auszuleiten und zum Kraftwerk zu führen. Erst ab den 1930er-Jahren entstanden Wasserkraftanlagen mit einer Wehranlage direkt in den Flüssen. Die Folge: Die großen Flüsse bekamen Staustufenketten. Bis Mitte des 20. Jahrhunderts war Wasserkraft die Triebfeder für die wirtschaftliche Entwicklung Bayerns. Ihre Bedeutung spiegelt sich auch in der prächtigen Industriearchitektur der Kraftwerke aus dieser Zeit wider.

Noch 1950 hatte der Wasserkraftstrom in Bayern einen Anteil von etwa 80 Prozent an der gesamten Stromerzeugung. Mit dem Aufkommen neuer und billiger Energieträger wie Öl und Kernkraft begann ihre Bedeutung stetig zu schwinden. Die Wasserkraft wurde zu einem Energieträger unter vielen. Bemerkenswert ist nach wie vor die große Zahl an Kleinstkraftwerken in Bayern. Über 80 Prozent der 4200 Laufwasser- und Speicherkraftwerke liefern nur drei Prozent der gesamten Strommenge aus Wasserkraft. Insgesamt werden aktuell in Bayern rund 12,5 Milliarden Kilowattstunden Strom pro Jahr mit Wasserkraft erzeugt – etwa 14 Prozent der gesamten Stromerzeugung im Freistaat. So versorgt die Wasserkraft umgerechnet 3,1 Millionen Vier-Personen-Haushalte in Bayern mit Strom. Tag für Tag und Nacht für Nacht. ha

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