Die Royals im Krisenmodus

von Redaktion

In einer emotionalen Rede spricht Prinz Harry zum ersten Mal öffentlich über seinen Rückzug vom königlichen Leben.

London – Prinz Harry, 35, trägt ein weißes Hemd und Sakko, als er über sein neues Leben spricht. Er wirkt aufgeräumt, über seinem Kopf baumeln Trockenblumen. Es ist seine erste öffentliche Rede zum weitgehenden Rückzug von seinen royalen Pflichten. Es ist die Rede, die die Schockwellen im Königreich und auf der ganzen Welt eindämmen soll. Das Drama um das britische Königshaus ist ein Weltereignis geworden, das den Brexit, der am 31. Januar endlich vollzogen werden soll, gerade locker in den Schatten stellt.

Die Entscheidung sei ihm nicht leichtgefallen und er habe sie nach monatelangen Gesprächen getroffen, sagt Harry in einer emotionalen Rede vor Mitarbeitern der Hilfsorganisation Sentebale in London. „Als Meghan und ich geheiratet haben, waren wir aufgeregt, hoffnungsvoll und wir wollten etwas Sinnvolles tun. Deshalb macht es mich traurig, dass es so weit gekommen ist.“ Es habe aber keine andere Möglichkeit gegeben, sagt Harry auf der Veranstaltung der Hilfsorganisation für junge HIV-Infizierte in Afrika.

Die Rede wurde am Sonntagabend auf dem Instagram-Profil des Paares gepostet. Kommentatoren werten sie in britischen Medien als klares Bekenntnis zu Meghan, 38. Die Herzogin von Sussex, so ihr Titel, wurde zuvor von Kritikern für Harrys neue Zukunftspläne verantwortlich gemacht. Sie hätten sich das Ganze anders vorgestellt, sagt Harry in seiner Rede weiter. Die Entscheidung, sich von ihrer Rolle zurückzuziehen, hätten sie nicht leichtfertig getroffen. Ihre Hoffnung sei es gewesen, die bisherigen Aufgaben für die Queen, das Commonwealth und das Militär fortzuführen, aber dabei auf öffentliche Gelder zu verzichten. „Leider war das nicht möglich“, sagt der Prinz.

Er lasse nun alles hinter sich, was er gekannt habe, in der Hoffnung auf ein friedvolleres Leben. Für seine Großmutter, die Queen, habe er aber den allergrößten Respekt, betont Harry, der als Lieblingsenkel der 93-jährigen Monarchin gilt. „Was ich aber klarstellen möchte, ist: Wir gehen nicht weg“, sagt er. Er liebe Großbritannien.

Harry und Meghan haben vor etwa zwei Wochen angekündigt, sich weitgehend von ihren royalen Pflichten zurückzuziehen und abwechselnd in Kanada und Großbritannien zu leben. Elizabeth II. reagierte verständnisvoll auf den Wunsch ihres Enkels.

Gleichwohl verkündete der Buckingham-Palast am Wochenende scharfe Konsequenzen. Harry und Meghan dürfen sich nicht länger „Königliche Hoheit“ nennen, keine offiziellen Aufgaben für die Queen mehr übernehmen – und sie müssen das Geld für die Renovierung ihres Wohnsitzes zurückzahlen. Bis zuletzt hatte Harry gehofft, dass die Queen diesen letzten Schritt nicht geht – und er seine Titel weiter nutzen darf.

Auch Harrys Mutter Diana war nach ihrer Scheidung von Prinz Charles, 71, der Titel „Königliche Hoheit“ entzogen worden. Sie kam vor 23 Jahren bei einem Autounfall ums Leben. Harry hatte danach als Jugendlicher schwierige Phasen und galt als Rebell, der bei den Briten dennoch beliebt war. Erst Jahre später räumte er in Interviews ein, psychische Probleme gehabt zu haben.

In Großbritannien weckt der Rückzug Erinnerungen an einen Skandal in den 1930er Jahren: Die US-Amerikanerin Wallis Simpson – zweimal geschieden und nicht adelig – war die große Liebe von König Eduard VIII. Regierung und Kirche waren strikt gegen diese Beziehung. Der König dankte 1936 schon nach weniger als einem Jahr ab, um Simpson heiraten zu können. Er wurde von einigen als ihr „Schoßhündchen“ verspottet. Das Paar lebte abwechselnd in Frankreich und den USA. Auf dem Thron folgte der Bruder des Ex-Königs: Georg VI., der Vater von Königin Elizabeth II.

Der „Megxit“ ist das Thema der Stunde, vor allem für die britischen Boulevardzeitungen (siehe rechts). Neben allen Dramen im Königshaus gibt es aber auch erfreuliche Meldungen. Die Boulevard-Zeitung „The Sun“ will erfahren haben, dass die zerstrittenen Brüder Harry und William ihr Kriegsbeil begraben und sich zu einem Friedensgipfel getroffen haben.

Harrys Vater Prinz Charles will es zudem offenbar nicht nur bei moralischer Unterstützung belassen. Der Thronfolger plant laut „Daily Telegraph“, seinem jüngeren Sohn regelmäßig Geld zuzuschießen, da Harry und Meghan keine öffentlichen Gelder mehr bekommen. Allerdings brauchen Harry und Meghan dies wahrscheinlich nicht: Der Prinz soll ein riesiges Vermögen von seiner verstorbenen Mutter Diana geerbt haben, Meghan verdiente vor der Einheirat ins Königshaus als Schauspielerin Millionen. Außerdem gehen Experten davon aus, dass das Paar seine Prominenz künftig problemlos in Geld ummünzen kann. Angeblich planen sie bereits, eine Film-Produktionsfirma zu eröffnen. Ein weltweit beachtetes Drama, das das Zeug zum Blockbuster hat, gäbe es auch schon. Ihr Leben. sts, dpa

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