5 FRAGEN AN
Alexander Lau ist Leiter des Referats Europa bei der Industrie- und Handelskammer für München und Oberbayern. Bisher können Unternehmen nur schwer planen, erklärt der Brexit-Experte.
Welche Auswirkungen wird der Brexit auf bayerische Unternehmen haben?
Das Vereinigte Königreich ist weltweit gemessen Bayerns fünftwichtigster Exportpartner. Wir haben besonders enge Verflechtungen im Fahrzeug- und Maschinenbau. Vor etwa eineinhalb Jahren haben wir eine ifo-Studie zu den wirtschaftlichen Auswirkungen des Brexits auf Bayern und Oberbayern erstellen lassen. Die gesamtwirtschaftliche Leistung Bayerns würde als Folge eines harten Brexits um 1,4 Milliarden Euro oder um 0,24 Prozent sinken. Wenn wir ein gutes Abkommen hätten, wäre das Negativszenario nur ein Drittel so groß.
Können die Unternehmen jetzt schon irgendetwas planen?
In der Übergangsphase bis Ende 2020 ändert sich für Unternehmen erst einmal nichts. Die Frage ist, wie tiefgehend zukünftige Beziehungen geregelt werden können. Dazu braucht es ein gutes Freihandelsabkommen. Im schlimmsten Fall gibt es sogar einen harten Brexit zum 31. Dezember, den wir uns alle nicht wünschen.
Wie viele Arbeitsplätze werden betroffen sein?
Nach einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit rechnen wir für Bayern mit rund 80 000 Arbeitsplätzen, die direkt oder indirekt mit den Exporten nach Großbritannien verbunden sind. Das heißt aber nicht, dass diese Arbeitsplätze alle wegfallen. Der Export wird auch nach einem harten Brexit nicht auf Null sinken.
Welche Auswirkungen wird es für die deutschen Konsumenten geben?
Nach dem Verlassen des EU-Binnenmarktes wird sicherlich vieles, was an Produkten mit dem Vereinigten Königreich zusammenhängt – wie Autos und auch Lebens- und Genussmittel – eher teurer werden. Da dürften sowohl die steigende Bürokratie für britische Exporteure sowie Zeitverzögerungen durch Grenzkontrollen eine Rolle spielen.
Was befürchten Mitarbeiter, die auf der Insel arbeiten?
Die Vorzüge der Freizügigkeit im Binnenmarkt, von denen die Mitarbeiter im Vereinigten Königreich bislang profitieren, wird es nach einem Brexit so nicht mehr geben. Noch ist unklar, wie die britische Regierung den Aufenthalts- und Arbeitsstatus regeln wird.
Interview: Cindy Boden