München – Auch für zwei weitere Münchner Juden werden heute Erinnerungszeichen aufgestellt. In der Montgelasstraße 2 lebten Hedwig Railing und ihr Mann Hugo. Beide starben im November 1942. Hedwig im Ghetto Piaski, ihr Mann Hugo in Sobibor, einem Vernichtungslager der SS im Osten Polens.
Railing, ein Textilunternehmer, war schon 1914 der Fußballabteilung Bayern im Münchner Sport Club, dem Vorläufer des heutigen FC Bayern, beigetreten. Er hatte beim FC Bayern wichtige Funktionen, nahm mit der Belegschaft seiner Münchner Textildruckerei GmbH an Firmenfußball-Turnieren teil. Noch 1934 wurden er und sein Bruder Siegfried von FC Bayern für 20-jährige Mitgliedschaft geehrt. 1935 säuberte der Verein jedoch seine Reihen. In den Clubnachrichten erschien ein Formular, mit dem „per Eidesstatt“ jedes Mitglied seine „arische“ Abstammung bestätigen sollte. Auch wenn der Rücklauf solcher Formulare wohl eher spärlich war – das war das Ende Railings beim FC Bayern.
Das Ehepaar, dessen beide Kinder nach England emigrieren konnten, lebte noch bis 1942 an wechselnden Wohnorten in München, zuletzt im Sammellager in der Knorrstraße, wo Hugo Railing die Lagerleitung übernehmen musste. Dann wurden sie in den Osten deportiert.
Am Samstag beim Spiel gegen Schalke haben die Bayern-Fans kurz vor Anpfiff eine riesige Choreografie für Hugo Railing präsentiert. „Gegen das Vergessen“ konnte man in der Südkurve lesen, daneben sah man ein Bild von Railing. Kurz danach gab es eine Gedenkminute für einen ehemaligen Geschäftsführer des FC Bayern. Sein Name: Walter Fembeck, er starb letzte Woche mit 98 Jahren. Fembeck, das gehört auch zu dieser Geschichte, war als junger Mann Oberscharführer bei der Waffen-SS. dw/sts