„Wir sind in der Verantwortung“

von Redaktion

5 FRAGEN AN

Der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge über die Erinnerungskultur des FC Bayern.

Herr Rummenigge, ist der FC Bayern als größter Verein Europas an Tagen wie diesem besonders in der Verantwortung?

Wir hatten einen jüdischen Präsidenten, der in der öffentlichen Wahrnehmung lange keine Rolle gespielt hat. Erst weit nach meiner aktiven Zeit sind Kurt Landauer, seine Leistung und die gesamte Thematik wiederbelebt worden. Da gilt es, unsere „Schickeria“ als spiritus rector hervorzuheben. Außerdem stehen wir für bestimmte Werte: für Vielfalt, Toleranz und Respekt, gegen Rassismus, gegen Gewalt. Es ist unsere Verantwortung, diese Werte nach außen zu tragen. Besonders in der heutigen Zeit.

Wurde die historische Arbeit intensiviert?

Sie ist angeschoben worden, und wir haben sogar eine wissenschaftliche Arbeit in Auftrag gegeben. Es hieß, der FC Bayern sei ein „Judenclub“ gewesen während der Nazi-Zeit. Wir wollen das aufarbeiten lassen, ob das so ist, wie sich der FC Bayern verhalten hat.

Wie kam es zu dem Entschluss, Erinnerungssäulen einzuweihen?

Wir hatten die Anfrage, und es war für uns klar, dass wir unseren ehemaligen Mitgliedern unseren Respekt ausdrücken, ihnen ein Andenken bewahren. Wir haben sofort zugesagt! Mir gefällt die Erinnerung auf Augenhöhe, die unser Stadtbild prägt. Jeder Passant wird so aufmerksam, dass es Zeiten wie diese in unserer Gesellschaft nie wieder geben darf.

Was kontern Sie, wenn mit Blick auf Trainingslager in Katar von Doppelmoral gesprochen wird?

Ich gehe mit Kritik grundsätzlich seriös um. Aber ich möchte hier einmal folgendes festhalten: Seitdem Katar den Zuschlag für die WM bekommen hat und mit der FIFA und Clubs wie uns und dem FC Barcelona im Dialog ist, hat sich Wesentliches verbessert. Verschiedene NGOs und humanitäre Organisationen haben uns das in der Zwischenzeit bestätigt. Und soll ich Ihnen mal etwas sagen?

Bitte!

Vor eineinhalb Jahren war ich bei einem deutsch-katarischen Gipfel in Berlin, der von Angela Merkel initiiert worden ist. Die Bundeskanzlerin hat dort eine beeindruckende Rede gehalten – und an den Mittelstand appelliert, mit Katar Verbindungen einzugehen. Wir sind durch unsere Partnerschaft im Dialog, der Verbesserung in Sachen Arbeits- und Menschenrechten herbeiführen kann. Das ist der einzig richtige Weg.

Interview: Hanna Raif

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