5 FRAGEN AN
Ruhestandspfarrer Günter Niekel ist Glockenkünstler. In den vergangenen 33 Jahren hat der 72-Jährige aus Muhr am See in Mittelfranken 500 Glocken mit Symbolen, Bibelversen und Heiligenfiguren verziert.
Warum wurden Sie Glockenkünstler?
Ich war schon als Kind von Glocken begeistert. Immer wenn ich mit meiner Mutter zum Grabgießen ging, ertönten um 11 Uhr die Glocken. Das hat mich fasziniert. Ich bin auf den Kirchturm gestiegen und habe die Glocke gesehen, die so groß war wie ich selbst. Durch einen Brand im Jahr 1987 kam ich auf die Idee, selbst Glocken zu gestalten.
Was war passiert?
In der Nachbargemeinde brannte die Kirche ab. Dabei fielen die Glocken ab und wurden zerstört. Wir wollten der Gemeinde helfen. Und ich fragte mich, ob man die mittelalterlichen Glocken nicht kopieren könnte. Ich experimentierte mit verschiedensten Materialien und fand irgendwann die richtige Methode. Später habe ich Glocken nach meinem eigenen Stil gestaltet.
Welche Glocke hören Sie am liebsten?
Die von meiner Heimatkirche. Aber am meisten hat mir ein Auftrag im Jahr 1992 bedeutet: Da durfte ich die Glocke für das Olympiadorf in Barcelona verzieren.
Können Sie es nachvollziehen, wenn sich andere Menschen durch Kirchengeläut gestört fühlen?
Nein. Aber ich habe das schon oft mitbekommen. Oft sind das Menschen, die bis dahin nie in der Nähe der Kirche gelebt haben – denn eigentlich nimmt man die Glockentöne nach einer Zeit nicht mehr wahr. Die kommen zwar meist mit richtigem Lärm – zum Beispiel Verkehrslärm in der Stadt – zurecht. Aber fühlen sich dann doch von Glocken oder Gockelschreien belästigt. Ich glaube, Glockentöne berühren die Seele. Manche finden das vielleicht unangenehm, weil sie nichts mit der Kirche zu tun haben wollen.
Und nachts? Könnte man da nicht auf das Läuten verzichten?
Es gibt einen Unterschied zwischen Läuten und Schlagen. Nachts läuten Glocken nicht, außer vielleicht an Ostern, Weihnachten oder Silvester. Sonst nur bei Gottesdiensten. Was man nachts hört, sind Uhrschläge. Die könnte man meiner Meinung nach auch weglassen, wenn sich viele Leute ernsthaft gestört fühlen. Zum Beispiel, wenn ein Krankenhaus in der Nähe liegt. Das Läuten der Glocken am Tag ist durch die Religionsfreiheit geschützt. Aber auch das darf eine gewisse Lautstärke nicht überschreiten.
Interview: Kathrin Braun