Auch in Regen in Niederbayern geht es ums Glockengeläut. In einem anonymen Brief an die Landrätin fordern Anwohner, den nächtlichen Stundenschlag der Stadtpfarrkirche einzustellen. Das Landratsamt darf anonyme Anliegen aber nicht bearbeiten. Es müsste außerdem den Lärm bei den Betroffenen messen – unmöglich, ohne diese zu kennen. Auch wenn viele Regener das Anliegen in den sozialen Medien unterstützen und das Amt zu Messungen bereit wäre, schlagen die Glocken vorerst also weiter.
2016 hatte eine Katholikin aus dem niederbayerischen Langquaid (Landkreis Kelheim) gegen den kleinen Glockenturm der evangelischen Kirche direkt neben ihrem Haus geklagt. Ergebnis: Der Pfarrer ließ die Nordseite des Turms schallisolieren. Dafür darf er nun mittags und abends länger zum Gebet läuten. Und samstags.
Nicht immer geht es bei Glockenstreitigkeiten um Lärm: Ein Mann aus dem Gilchinger Ortsteil Argelsried im Landkreis Starnberg argumentierte 2014, Glocken „verstoßen gegen das Grundgesetz“. Er klagte gegen das Läuten der Kirche, die rund 100 Meter neben seinem Haus steht. Dass die Pfarrei die Glocken bereits weniger oft erklingen ließ, auch nachts, war ihm zu wenig. „Ich werde gezwungen, an einer religiösen Übung teilzunehmen“, sagte er. Glauben sei Privatsache, nicht öffentlich. Die Klage wurde abgewiesen.
Das Glockengeläut in Haundorf bei Nürnberg schaffte es 2011 sogar vor den Bayerischen Verwaltungsgerichtshof. Ein 71-jähriger Münchner Rentner, der aufs Land gezogen war, klagte mehr Ruhe ein. Die Kirche einigte sich mit ihm: Der nächtliche Glockenschlag bleibt aus.
In Miesbach griff ein Mann wegen des Glockengeläuts sogar zur Waffe. Zwar verstummen die Glocken der Stadt ohnehin ab 21 Uhr. Beschwerden bekommen die Kirchenverantwortlichen dennoch. „Einmal stand sogar jemand mit der Schrotflinte vor der Tür“, erzählte Pfarrsekretärin Angelika Gigl im Mai 2018 unserer Zeitung. „Das ist aber schon ein paar Jahre her und ging auch friedlich aus.“ mas