„Die Deutschen wollen nun mal günstig“

von Redaktion

5 FRAGEN AN

Amadé Billesberger, 38, betreibt in Moosinning im Kreis Erding einen Bio-Bauernhof. Er hat den Hof 2007 von seinem Vater übernommen. Seine Produkte verkauft er in seinem Hofladen.

Wann waren Sie zuletzt im Supermarkt?

Schon lange nicht mehr. Ich versorge mich fast komplett selbst. Das Einzige, was ich im Supermarkt kaufe, sind Tackernadeln.

Ein Kilo Karotten für weit unter einem Euro. Ein Kilo Hähnchenschenkel für zwei Euro. Was denken Sie als Bauer, wenn Sie solche Angebote sehen?

Auf dem Traktor höre ich viel Radio und da kommt immer wieder Werbung, in der es heißt, dass es jetzt zehn Kilo Kartoffeln für 2,99 Euro gibt. Da denke ich mir: Wie soll das produziert sein? Was bleibt da noch für den Bauern übrig? Solche Angebote finde ich furchtbar.

Was müsste ein Landwirt in einer perfekten Welt für zehn Kilo Kartoffeln bekommen?

Es kommt darauf an, ob der Landwirt ein Hektar Kartoffeln hat und von Hand erntet oder ob er 50 Hektar hat und mit Maschinen arbeitet. Aber grundsätzlich gilt: Warum denken wir, dass Kartoffeln unter einem Euro pro Kilo verkauft werden sollen? Und das, obwohl sie uns mit wenig Aufwand satt machen. Auf der anderen Seite geben die Menschen für irgendeinen Schmarrn, der weniger Nährwert hat, bereitwillig viel Geld aus. Zum Beispiel für Chia-Samen und Goji-Beeren.

Da stimmt das Verhältnis nicht. Bei heimischen Produkten wird gespart, bei anderen Dingen ist der Preis wurscht.

Ja, so ist es. Meine Bio-Eier kosten 50 Cent das Stück. Da beschweren sich Kunden manchmal. Aber dann erzähle ich eine Geschichte: Als mein Vater ein Kind war, also vor 70 Jahren, da hat ein Ei 20 Pfennig gekostet und eine Kugel Eis 2 Pfennig. Jetzt essen wir eine Kugel Eis für 1,50 Euro und nehmen das als Luxus hin. Aber ein Ei für 50 Cent soll viel Geld sein. Mit zwei Eiern und zwei Scheiben Brot hat man für 1,50 Euro eine vollwertige Mahlzeit. Die Prioritäten haben sich bei den Menschen verschoben.

Woher kommt das?

Die Deutschen wollen nun mal günstige Lebensmittel. Das ist bei unseren Nachbarn in Frankreich, Italien, Österreich oder der Schweiz anders. Aber ich bin ein bisschen zuversichtlich: Es ist wieder im Kommen, dass man frisch kocht und gute Sachen kauft. Auch bei mir hat das Umdenken Jahre gedauert. Früher habe ich Fertigpizzen gegessen und ich hatte immer ein Snickers und eine Spezi am Traktor. Es geht mir viel besser, seit ich das nicht mehr brauche.

Interview: Stefan Sessler

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