5 FRAGEN AN
Norbert Moy, ist Sprecher des Fahrgastverbands Pro Bahn Oberbayern. Dass Millionen in Tunnelprojekte im Loisachtal fließen, findet er ungerecht. Denn die Werdenfelsbahn zwischen München und Garmisch-Partenkirchen brauche dringend eine Finanzspritze.
Der Bund hat jetzt grünes Licht für die Finanzierung des Auerbergtunnels gegeben. Das geht Ihnen gegen den Strich, oder?
Das ist eine Ungleichbehandlung. Plötzlich gibt der Bund 108,2 Millionen Euro für den Tunnel aus – während beim Ausbau der Werdenfelsbahn immer gesagt wurde, dass nicht genug Geld da ist. Das ist wie bei Aschenputtel. Wir müssen zusehen, wie die Stiefschwester alles bekommt.
Aschenputtel und die Stiefschwester – das sind also die Schiene und der Straßenverkehr?
Ja. Natürlich ist es gut, dass Geld in die Infrastruktur unserer Region fließt. Aber man braucht eine Grundsatzentscheidung in der Politik: Setzen wir jetzt auf den Straßenverkehr oder auf die Schiene? An einem Tag hält man Reden über klimafreundlichen Verkehr, am nächsten Tag wird einzig der Straßenverkehr ausgebaut. Und zwar mit Summen, bei denen wir uns die Augen reiben. Währenddessen verfällt die Werdenfelsbahn zusehends.
Was stimmt nicht mit der Werdenfelsbahn?
Die Menschen leiden unter den Verspätungen und Ausfällen. Die Leistungsfähigkeit der Strecke ist am Ende: Langsamfahrstellen bremsen die Züge aus, weil die Gleisanlagen verschlissen sind. Eine engere Taktung kommt gar nicht infrage, weil es auf weiten Strecken nur ein Gleis gibt. Statt präventiver Wartung nimmt man in Kauf, dass etwas kaputt geht, und lässt sich Zeit, bis man es repariert – anstatt ein Mal in den Ausbau zu investieren.
Was muss passieren?
Wir sind überzeugt, dass mehr Leute mit der Bahn fahren würden, wenn die Verbindung zuverlässig und schnell wäre. Ein Halbstundentakt wäre ein wirksames Mittel. Das geht aber nur mit einem zweigleisigen Ausbau. Dafür haben wir jetzt eine Petition gestartet, für die bis jetzt rund 2600 Menschen unterschrieben haben.
Sollte man keine Tunnel mehr bauen?
Ich gönne jedem Ort seine Entlastung. Aber mit einem Tunnel verschwindet das Problem nur vor der eigenen Tür. Der Straßenverkehr wird attraktiver, also brauchen wir mehr Parkplätze. Man muss langfristig denken. Mit jedem Tunnel, den wir bauen, schaffen wir auch neue Probleme.
Interview: Kathrin Braun