München – Instagram-Storys, Likes, TikTok: Beim Medienverhalten von Jugendlichen stehen vielen Eltern Fragezeichen in den Augen. Kapitulation sei aber der falsche Weg, sagt Erziehungswissenschaftlerin und Medienexpertin Karen Silvester.
„Neu ist vor allem, wie die Medien heute ins Private reingreifen“, sagt die Münchnerin. Das verunsichere vor allem die Generation ab 30 Jahren. Viele Eltern fühlten sich vom Medienverhalten ihrer Kinder ausgeschlossen – und hielten es deshalb für unkontrollierbar. Andere Eltern würden sich auch wehren, die digitale Welt zu verstehen. „Bei Zeitungen können sie einschätzen, ob etwas sauber recherchiert ist – beim Internet haben sie Angst, dass sich die Kinder in dem Dschungel verirren“, sagt Silvester.
Ängste wie diese habe es schon immer gegeben: „Früher, als jede Familie sich einen Fernseher leistete, hatte man ähnliche Befürchtungen wie heute bei Social Media“, sagt sie. „Natürlich verändern Technologien das Leben und die Gesellschaft.“
Soziale Medien kämen der natürlichen Entwicklung von Kindern aber entgegen, findet Silvester. Medien liefern nicht mehr nur reine Informationen: Durch Liken und Teilen reagieren Kinder auch unmittelbar darauf. „Statt eines Monologs findet heute ein Dialog statt“, sagt Silvester. Eltern dürften deshalb zwar entspannt sein, wenn sich ihre Kinder auf Insta-gram tummeln – aber es dürfe ihnen nicht gleichgültig sein. „Auch bei Social Media gilt: Das Maß macht das Gift.“
Eltern sollten deshalb dabei sein und verstehen, was ihre Kinder machen, findet Silvester. „Und sie sollten prüfen, was sie selbst ihren Kindern vermitteln.“ Ein Kind mache sich früh ein Bild von der Rolle, die Medien im Leben spielen. „Wenn ein Kind die Mutter oder den Vater immer mit dem Handy oder Ohrstöpseln sieht, hält es das für normal.“ Deshalb sollten sich auch Erwachsene überlegen, wofür sie das Internet vorrangig nutzen: „Zeige ich den Kindern, wie man im Netz recherchieren oder Musik hören kann, oder spiele ich in ihrem Beisein Online-Spiele?“
Finden Eltern das Medienverhalten ihrer Kinder problematisch, dann sollten sie beachten: Die Basis für Erziehung sei Vertrauen – heimliche Handy-Kontrollen seien kontraproduktiv. „Misstrauen schürt nur Widerstand.“ Vielmehr solle man vereinbaren, dass man einmal pro Monat das Handy seiner Kinder checken darf, ob wirklich nur die vereinbarten Apps drauf und die Datenschutz-Einstellungen alle okay sind.
Eltern dürften auch nicht unhinterfragt auf alle Innovationen aufspringen – so müsse man kritisch fragen, ob im Kinderzimmer wirklich eine Alexa stehen muss und ob die App TikTok nicht zu viele Daten abgreift. Aber würde man zu viel verbieten – dann leide womöglich die Beziehung zu den eigenen Kindern. epd